Bitte beschreiben Sie kurz, welchen Fehler Sie im Artikel gefunden haben.
Bitte alle mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.
Eine Woche lang waren der Freiburger Student Dietrich Schwanitz und einige seiner Kommilitonen in Dresden. Er sei überrascht gewesen, schreibt Schwanitz jetzt in der Hamburger „Zeit", für wie aggressiv die Dresdner Bürger den Bonner Staat halten.
Schwanitz hat erlebt, da8 er in der DDR ständig nach seiner Einstellung zum Kernproblem unserer Epoche gefragt wurde. Sein Erstaunen darüber macht zweierlei deutlich.
Für die Bürger der DDR ist die widW 'tigste aller Fragen: Was muß geschehen« daß von deutschem Boden nie wieder ein Krieg ausgeht? Das ist für sie die Kernfrage, weil Westdeutschland neben Vietnam zum Hauptgefahrenherd eines neuen Weltkrieges geworden ist. Sie sehen nüchtern: Der Anspruch auf Gebiete, die anderen Staaten gehören, und das Streben nach der Verfügungsgewalt - so oder so — über die rnodernsten Vernichtungswaffen sind das A und O der Bonner Außenpolitik. Gleichzeitig nimmt dieser von den Monopolen beherrschte und dirigierte westdeutsche Staat in der Innenpolitik schärfsten Kurs auf eine neue Vorkriegszeit Mit Hilfe der Notstandsdiktatur sollen die Wirtschaft auf eine Kriegswirtschaft umgestellt, die Gewerkschaften lahmgelegt, der Wille -des Volkes erstickt werden__Damit zeichnet sich für den Bürger der DDR einhellig ab, welche Gefahr dem Frieden von dieser Entwicklung her cjroht Sie, zu bannen bestimmt daher sein Denken und Handeln.
Dem Freiburger Studenten Ist diese Gefahr nicht im gleichen Maße gewärtig. Er ist bereits ein Opfer der Tatsache, daß die Monopole die Möglichkeiten für eine politische Willensbildung der Westdeutschen weitgehend ausgeschaltet haben. Ein gerütteltes Maß an Schuld, daß in Westdeutschland vielerorts die Gefahr unterschätzt wird, die dort für den Frieden heraufzieht, trägt auch die SPD-Führung.
An einigen der im dritten Offenen Brief unseres Zentralkomitees gestellten Fragen könne sich die SPD nicht mit gutem Gewissen vorbeidrücken, schreibt selbst der bürgerliche .Kölner Stadtanzeiger". Er meint die Fragen, ob die SPD dafür eintreten will, daß beide deutsche Staaten auf jegliche Mitverfügung über Atomwaffen verzichten, und ob sie gemeinsam mit uns dafür sorgen will, daß mit konkreten Abrüstungsmaßnahmen in Deutschland begonnen wird.
Man weiß also in Westdeutschland, daß hier mit einem Ja antworten muß, wem der Friede das höchste der mensch* liehen Güter ist
Die SPD-Führung hat den Dortmunder Parteitag in eine andere Richtung gedrängt Sie hat einen Beschluß durchgepeitscht, der — wie die Springer-Presse frohlockend schreibt — für eine verfassuhgsändernde Notstandsgesetzgebung den Weg frei macht Die Gesetzentwürfe der CDU/CSU-Führer gegen Frieden und , Demokratie bekommen von der SPD- Spitze den parlamentarischen Schleier genäht. Das richtet sich eindeutig gegen die Interessen der 13,6 Millionen Wähler, die der SPD bei den letzten Bundestagswahlen ihre Stimme gaben, gegen die Interessen und ausdrücklichen Beschlüsse der über sechs Millionen westdeutschen Gewerkschafter, in deren Namen der 7. DGB-Kongreß die Diktaturgesetze erneut abgelehnt hat.
Weil sich die SPD-Parteiführung in so verderblicher Weise ins Schlepptau der CDU-Politik begeben hat, weil sie ' in allen wesentlichen Fragen vor der CDU- Führung kapituliert hat, ist für die Mitglieder' und Freunde der SPD, ist für das ganze werktätige ' Volk in Westdeutschland die Kernfrage nur um so brennender: Wie. sichern wir den Frieden in Europa?
Login
