2. Februar
17.02.1956 / Seite 1 / Freizeit

Eine Botschaft an alle

Vr/ir veröffentlichen in unserer " heutigen Ausgabe den großen Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der KPdSU, das Referat des Genossen Chruschtschow, in einer Form, die es unseren Lesern erleichtern soll, mit dem Material zu arbeiten. Wir gehen davon aus, daß man den Rechenschaftsbericht nicht nur lesen soll, sondern daß man ihn studieren muß. Denn hier geht es doch nicht nur um die Sache eines anderen, wenn auch sehr befreundeten Landes. Es geht um Weltangelegenheiten und nicht zuletzt um unsere eigene. Für unsere Parteiorganisationen und für jeden einzelnen Genossen ist es im Hinblick auf die 3. Parteikonferenz noch eine besondere Pflicht, den Rechenschaftsbericht durchzuarbeiten.

Auf diesem XX. Parteitag wird die Erfahrung der Arbeiterklasse in der Sowjetunion und in der ganzen Welt analysiert und damit die Wissenschaft des Marxismus-Leninismus weiterentwickelt. Die Sowjetunion hat den Sozialismus errichtet und ist zum Kommunismus aufgebrochen. In Richtung auf dieses Ziel marschiert heute schon ein großer Teil der Welt, und einst wird es die ganze Welt sein. Die Sowjetunion aber marschiert an der Spitze. Der Sowjetstaat, so sagt Chruschtschow, „erhebt sich als mächtiger Leuchtturm, der der ganzen Menschheit den Weg in eine neue Welt weist". Wenn die Sowjetunion von ihren Erfahrungen beim Aufbau des Sozialismus und des Kommunismus spricht, tun die Völker der Welt einen Blick auch in ihre eigene Zukunft. Da gibt es für alle zu lernen, wenn auch keinem erspart bleibt, die Lehren auf die eigenen besonderen Verhältnisse schöpferisch anzuwenden.

Und was für eine Zukunft ist das! Mit Stolz kann Chruschtschow sagen: „Das Sowjetland vollzieht jetzt einen rapiden Aufschwung. Um bildlich zu sprechen, wir haben einen solchen Berg, eine solche Höhe erklommen, von der aus der weite Horizont des Endziels, die kommunistische Gesellschaft, bereits sichtbar ist."

Was frühere Humanisten in ihren kühnsten Träumen nur für einige Auserwählte als Ziel zu setzen wagten — ein vollkommener Mensch zu sein—, dazu eröffnet der Kommunismus allen das Tor. Die Produktivkräfte werden sich ungehindert und gewaltig entfalten, die Menschen werden ihren \'ollkomzaen entwickelten Fähigkeiten entsprechend mit Freude arbeiten und nach ihren Bedürfnissen leben. In solchen Verhältnissen kann jeder seine Persönlichkeit frei und allseitig entwickeln. Das ist das große Menschheitsziel, und darum geht es letzten Endes auf dem XX. Parteitag der KPdSU.

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W^enn manche Zeitungen des im- " perialistischen Teils der Welt mit gespielter Überlegenheit a.if den Rechenschaftsbericht reagieren, vor der Wirklichkeit krampfhaft die Augen verschließen und bemerken, er enthalte nichts Neues und werde von ihnen „kühl" aufgenommen, so kann man nur sagen: Um so schlimmer für sie! Eine solche Haltung entspringt entweder engster Borniertheit oder einem beklemmenden Trübsinn, der sich aus dem Vergleich der Perspektiven beider Weltsysteme für sie ergeben muß. Denn nicht nur die sozialistische, auch die kapitalistische Welt wurde auf dem Moskauer Parteitag mit wissenschaftlicher Gründlichkeit analysiert.

Jene Verteidiger des Kapitalismus wissen es selbst, daß eine Konjunktur nicht, wie das stetige Wachstum der sozialistischen Produktion, eine dauerhafte Erscheinung ist. Aber sie wagen es nicht auszusprechen, was Chruschtschow nüchtern und sachlich feststellt. Er weist nach, daß in den letzten Jahren nur ein zeitweiliges Zusammentreffen von Umständen, die für den Kapitalismus günstig waren, das Hinüberwachsen von Krisenerscheinungen in eine tiefgreifende Wirtschaftskrise aufgehalten hat. „Gegenwärtig", so sagt Chruschtschow, „nähert sich die kapitalistische Welt der Grenze, da sich die stimulierende Wirkung einer Reihe von zeitweiligen Faktoren erschöpft." Die Widersprüche in der kapitalistischen Welt werden tiefer. Denken wir nur an die verschärfte Konkurrenz zwischen den imperialistischen Ländern, an den Zusammenbruch des Kolonialsystems, an das Anwachsen der Streikkämpfe in den Nachkriegsjahren, das Chruschtschow nachweist. Der Kapitalismus bewegt sich neuen wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen entgegen.

Ist es nicht außerordentlich wichtig, das zu wissen, wenn wir auch unsere eigene Lage in der DDR und die Situation in ganz Deutschland richtig einschätzen wollen? Adenauer will Westdeutschland an dieses erschütterte, von Widersprüchen zerrissene System ohne Zukunft ketten. Unsere Republik aber gehört zu dem System, das mit großen Schritten einer glänzenden, glücklichen Zukunft entgegeneilt. Kann es da noch Zweifel geben, in welche Richtung der Weg für ganz Deutschland gefunden werden muß?

Es gibt auch in unserer Republik noch Menschen, die nicht wissen, wie sie sich entscheiden sollen, und sogar noch solche, die sich mit nachtwandlerischer Sicherheit genau falsch entscheiden. Wer heute seinen Platz beim Aufbau des Sozialismus in der DDR verläßt, mag unserer Sache einen Schaden zufügen. Aufhalten kann er sie nicht, und am meisten schadet er sich selbst. Wenn er das Referat Chruschtschows studiert und die unaufhaltsame Macht einer weltgeschichtlichen Entwicklung erkennt, wird er sich vor solchen Fehlentscheidungen bewahren.

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