YV7 ir begrüßen heute in unserer *» Hauptstadt auf das herzlichste eine Regierungsdelegation der Koreanischen Volksdemokratischen Republik mit dem Vorsitzenden des Ministerkabinetts, Marschall Kim Ir Sen, an der Spitze. Die Delegation folgt einer Einladung, die unser Ministerpräsident Otto Grotewohl bei seinem Besuch in Phoengjang im Dezember vorigen Jahres ausgesprochen hatte.
Die freundschaftlichen Bande, die unsere Republik seit ihrer Gründung mit der Koreanischen Volksdemokratischen Republik verknüpfen, sind tief im Herzen beider Völker verwurzelt. Unsere Regierungsdelegation erhielt während ihres Autenthaltes in Phoengjang und Hamhung so viele Beweise tiefer Zuneigung Hunderttausender einfacher Menschen, daß ihr der Abschied damals sehr schwer fiel. Um so mehr freuen wir uns heute, die besten Vertreter des koreanischen Volkes, unter ihnen die weltbekannte Friedenskämpferin Pak Den Ai und Außenminister Nam Ir, in unserer Mitte zu haben.
Der Besuch Otto Grotewohls in Korea hatte bereits zu einer weiteren Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen unserer Länder geführt, die in einer gemeinsamen Erklärung ihren Ausdruck fand. Beide Länder sind sich einig, daß die durch die Versuche der herrschenden Kreise der USA, Westdeutschland und Südkorea in Angriffsbasen zu verwandeln, herbeigeführte Spaltung ein Unglück für die Völker Deutschlands und Koreas ist. Be'de Länder erklären, daß die Wiedervereinigung in erster Linie Sache des deutschen und koreanischen Volkes selbst ist und auf friedlichem Wege und demokratischer Grundlage erfolgen muß.
Besonders wichtig ist für uns die Feststellung in der Erklärung von Phoengjang, daß es die gemeinsame Aufgabe aller friedliebenden Völker ist, gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands zu kämpfen, die die Gefahr eines neuen Krieges heraufbeschwört, und in Europa ein System der kollektiven Sicherheit zu schaffen.
p\as deutsche Volk schätzt sich *-* glücklich, das siegreiche koreanische Volk in diesem Kampf an seiner Seite zu wissen. Wir alle erinnern uns der entsetzlichen Jahre von 1950 bis 1953, als die USA Korea als Übungsplatz für neue Arten von Massenvernichtungswaffen benutzten, die sie in einem neuen Weltkrieg einzusetzen beabsichtigen. Deutlich stehen npch vor unseren Augen die unmenschlichen Verstümmelungen koreanischer Männer, Frauen und Kinder durch Napalmbomben, für die die Interventen allein in den ersten beiden Jahren 15 Millionen Gallonen entflammbaren gallertartigen Benzins verbrauchten. Das ganze Land wurde nahezu dem Erdboden gleichgemacht.
Das gleiche Schicksal war auch Deutschland von den amerikanischen Militaristen zugedacht. Erklärte doch der damalige USA-Gauleiter in Westdeutschland, MacCloy, ganz frech und offen: „Was wir gegenwärtig in Deutschland tun, ist dasselbe, was unsere Truppen in Korea leisten." Deutschland sollte ein zweites Korea werden.
Daß es dazu nicht kam, danken wir nicht zuletzt dem tapferen koreanischen Volk, das, unterstützt von chinesischen Volksfreiwilligen, umgeben von der Kraft des Weltfriedenslagers mit der UdSSR ;tn der Spitze, 1953 einen Waffenstillstand erzwang. Der Mythos der angeblichen militärischen Überlegenheit der USA, die wahnwitzige Absicht, den ganzen Erdball zu unterjochen und eine amerikanische Weltherrschaft zu errichten, zerrann unter den harten Schlägen der koreanischen Volksarmee.
Die Beendigung des Blutvergießens in Korea leitete eine Ent-' Spannung in der ganzen Welt ein. Ein Jahr später wurde auf der ersten Genfer Konferenz auch für Indochina der Frieden erreicht. Damit war der letzte größere Kriegsherd beseitigt, und die Verbesserung der internationalen Atmosphäre konnte nun, dank der unermüdlichen Initiative der sowjetischen und chinesischen Diplomatie, rasche Fortschritte machen. Es kam zur Verkündung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz, zur ersten Asiatisch-Afrikanischen Konferenz, zu den ersten Kontaktaufnahmen zwischen Ost und West und zu den beispielhaften Abrüstungsbeschlüssen der Staaten des Friedenslagers. All das wäre nicht möglich gewesen, wenn das koreanische Volk nicht unter größten Opfern, unter Einsatz seiner ganzen Kraft der Ausweitung des amerikanischen Krieges zu einem neuen Weltkrieg Einhalt geboten hätte.
Tfs zeugt von der Stärke der Ko- -*-' reanischen Volksdemokratischen Republik, daß sie zum gleichen Zeitpunkt, da die USA-Imperialisten durch die Ausweisung der Neutralen Überwachungskommission aus Südkorea das Waffenstillstandsabkommen zu brechen und den Krieg wieder aufleben zu lassen versuchen, 80 000 Mann demobilisiert. In den drei kurzen Jahren nach der Beendigung des grausamsten aller Kriege hat das heroische koreanische Volk fast Menschenunmögliches vollbracht. Die völlig zerstörte Volkswirtschaft ist neu erstanden und hat den Vorkriegsstand schon weit überschritten. Mit der brüderlichen Hilfe der befreundeten Länder, darunter auch der DDR, schreitet der Aufbau in schnellem Tempo weiter voran — im Gegensatz zu Südkorea, wo der Lebensstandard der Bevölkerung infolge der Mißwirtschaft der verrotteten Li Syng Man-Clique nach übereinstimmenden Berichten selbst der reaktionärsten westlichen Korrespondenten weiter sinkt.
Ebenso wie Adenauer in Westdeutschland repräsentiert Li Syng Man in Südkorea das Faulende, Absterbende gegenüber dem Zukunftsträchtigem, Neuen im Norden und wird immer weiter isoliert. Dafür waren nicht zuleti-t die vor kurzem durchgeführten Präsidentschaftswahlen ein erneuter Beweis.
Angesichts dieser Lage kann man den amerikanischen Aggressoren, die jetzt großmäulig eine neue Provokation zu starten versuchen, nur den Rat geben, sich ihrer eigenen Eingeständnisse zu erinnern, als sie ihre Niederlage noch frisch im Gedächtnis hatten. Damals schrieb die „New York Herald Tribüne"- „Wir haben ein Waffenstillstandsabkommen ohne Sieg unterzeichnet. Die gewonnenen Erfahrungen sind um so betrüblicher, als sie ohne Beispiel in unserer Geschichte sind."
Daran ßollten die Imperialisten nicht nur in Südkorea, sondern auch in Westdeutschland denken. Das koreanische und das deutsche Volk sind im Kampf um die gleichen Ziele untrennbar miteinander verbunden. An der Kraft des großen Weltfriedenslagers, iri dem Korea im äußersten Osten und die Deutsche Demokratische Republik im äußersten Westen auf Wacht stehen, werden die Kriegspläne scheitern.
W^ ir hoffen, daß sich die korea- "* nische Regierungsdelegation bei uns, getragen von der brüderlichen Liebe unseres Volkes, genau so zu Hause fühlen wird, wie die Vertreter der Deutschen Demokratischen Republik in ihrer Heimat. Wir sind überzeugt, daß sie sich von dem starken Friedenswillen unserer Arbeiter, Bauern und werktätigen Intelligenz überzeugen wird und daß ihr Besuch der weiteren Stärkung unserer Freundschaft und damit dem gesamten Friedenslager dienen wird. Denn es gibt, wie Kim Ir Sen sagte, „keine Kräfte, die sich dem entschlossenen Kampf der Völker Koreas und Deutschlands entgegenstellen können. Dieser gerechte Kampf wird zweifellos mit dem Sieg gekrönt werden."
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