Tmmer mehr bestimmen soziah- ■*■ stische Wirtschaftsformen das Gegitht des Dorfes und die Lebensweise seiner Bewohner. Vor allem viele junge Menschen nehmen an der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft aktiv Anteil. Sie bewegt die Frage, wie sich ihre Zukunft gestaltet.
Da ist z. B. die landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft in Heidenau, Kreis Pirna. Sie zählt nicht zu den besten in unserer Republik, doch besitzt sie schon heute einen vollmechanisierten Kuhstall und einen eigenen Traktor mit vier Anhängern. Die LPG hat sich viel vorgenommen; sie will sich u. a. auf den Hopfenanbau spezialisieren. Dies ist sehr ertragreich und wird schnell den Reichtum der Genossen-' Schaftsbauern mehren. 1960 soll ein zweiter volimechanisierter Kuhstall zur LPG gehören, denn die Viehbestände werden wachsen. Besaßen die Heidenauer Genossenschaftsbauern im Sommer dieses Jahres 66 Kühe, 26 Sauen und 64 Schafe, so werden es 1960 laut Perspektivplan 160 Kühe, 120 Sauen und 300 Schafe sein. Liegt der Milchertrag pro Kuh heute bei 2700 Liter, so soll er bis zum Ende des zweiten Fünfjahrplanes auf 3500 Liter steigen. Es versteht sich, daß bei einer solchen Entwicklung auch der Wert der Arbeitseinheit steigt; zur Zeit beträgt er 7 DM, 1960 werden es 12 DM sein.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind jedoch viel Aktivität und hohe Kenntnisse erforderlich. Den Jugendlichen des Ortes eröffnet sich die Möglichkeit, solch herrliche Berufe wie Agronom, Zootechniker, Pflanzenbauer, Tierzüchter, Innenmechanisator usw. zu ergreifen, die auch gute Verdienstmöglichkeiten bieten.
Das ist eine große Perspektive für die Heidenauer Jugend. Aber nicht nur für sie; eine ähnliche Entwicklung nimmt die ganze Republik. Lohnt es sich da nicht, Genossenschaftsbauer zu werden, sein Leben der sozialistischen Landwirtschaft zu widmen?
Und trotzdem sind die Jugendlichen in Heidenau von dieser großen Perspektive nicht erfaßt — denn sie kennen sie kaum. So kommt es, daß von den sechs Kindern eines Genossenschaftsbauern nur eines, von den fünf Kindern eines anderen Bauern nur zwei in der Landwirtschaft verbleiben wollen. +
VJT/arum betrachten es zahlreiche " Jugendliche vom Dorfe erstrebenswerter, in der sozialistischen Industrie statt in der sozialistischen Landwirtschaft zu arbeiten?
Da ist einmal die falsche Meinung über die Landarbeit, die oft von den Erwachsenen ausgeht und sich auf die Kinder überträgt. Sie sehen nicht die Zukunft, in der durch den Einsatz der modernsten Maschinen, durch weitgehendste Mechanisierung der Feld- und Stallarbeiten auch die Landarbeit leichter, schöner und interessanter wird, sondern sie beurteilen das Leben auf dem Lande nach der Vergangenheit. So sagen sie denn: „Landwirtschaftliche Arbeit ist und bleibt die schwerste Arbeit. Auf dem Lande arbeiten nur die Dummen." Die Parteiorganisationen und die anderen fortschrittlichen Kräfte auf dem Dorfe widerlegen diese Argumente nicht, weil sie selbst oft keine ausreichenden Vorstellungen von der Perspektive der Landwirtschaft haben.
Die Partei muß alle fortschrittlichen Kräfte des Dorfes auf den Plan rufen, um der Landjugend zu erklären, welch große Entwicklung unserer Landwirtschaft bevorsteht und welch interessante und bedeutungsvolle Tätigkeit die Arbeit in der mechanisierten sozialistischen Großflächenwirtschaft ist. Es eibt genug Kräfte auf dem Lande, die in der Lage sind, diese Aufgabe zu lösen. Agronomen, Zootechniker, Pflanzenschutzwarte, Tierärzte, Bürgermeister, Lehrer, Lehrausbilder, LPG-Vorsitzende usw. können dazu herangezogen werden.
Von großer Bedeutung ist dabei auch die Arbeit der Schule auf dem Lande. Sie schöpft bei weitem nicht alle Möglichkeiten aus, um die Liebe der Kinder zum Dorf und zur Arbeit in der sozialistischen Landwirtschaft zu wecken. Noch zuwenig werden unsere Lehrer befähigt, ihrer Aufgabe auf dem Lande gerecht zu werden. Die Ausrüstung der Landschulen mit solchen Unterrichts- und Anschauungsmitteln, die der Aneignung landwirtschaftlicher Grundkenntnisse dienen, ist noch ungenügend. Es fehlt aber auch an der Initiative vieler Lehrer. +
T"\och die Erklärung der Perspek- *-' tive allein genügt nicht, wenn nicht sofort begonnen wird, manches auf dem Dorfe zu ändern. Die Berufsausbildung auf dem Dorfe weist z. B. viele Mängel auf. Das beginnt schon damit, daß ihre Bedeutung falsch eingeschätzt wird. Die Gehälter der Lehrausbilder in der Landwirtschaft z. B. liegen um fast die Hälfte niedriger als die der Lehrausbilder in der Industrie. Als Folge davon ist eine große Fluktuation unter den Lehrausbildern auf dem Dorfe zu verzeichnen. Auch finden sich nicht die besten Landarbeiter bereit, für solch niedriges Gehalt Lehrausbilder zu werden.
Es werden auch ungenügend Maßnahmen getroffen, um die in den VEG, MTS und LPG ausgebildeten Lehrlinge fest in der sozialistischen Landwirtschaft zu verwurzeln. Fast 30 Prozent der ausgebildeten Lehrlinge verlieren wir jedes Jahr, weil sie nach Abschluß der Lehre ihr Wohnheim verlassen müssen und sich keine Unterbringungsmöglichkeit auf dem Dorfe findet. Die Genossenschaftsbauern, die Arbeiter der MTS und VEG sollten sich bereit finden, die Lehrlinge fest in den Kreis ihrer Familie aufzunehmen, um sie unserer sozialistischen Landwirtschaft zu erhalten. Außerdem ist notwendig, bei großen VEG und MTS Ledigenwohnheime zu bauen.
In der Landwirtschaft arbeitet auch eine beträchtliche Anzahl junger Menschen, die das Ziel der 8. Klasse unserer Grundschule nicht erreichten. Ist es aber angesichts der Perspektive unserer Landwirtschaft zu verantworten, daß sie keinen Lehrberuf ergreifen können? Es ist an der Zeit, für sie ordentliche Lehrberufe für die Lohngruppen III und IV zu schaffen. So gibt es noch viele andere Mängel der Berufsausbildung auf dem Lande, die alsbald von den Ministerien für Arbeit und Berufsausbildung und Land- und Forstwirtschaft überprüft und beseitigt werden sollten. +
Die Parteiorganisationen auf dem Lande sollten auch ihre Aufmerksamkeit mehr als bisher auf die kulturelle Betreuung und sinnvolle Freizeitgestaltung der Dorfjugend richten. Wenn im Kreis Oschatz in 28 von 66 Gemeinden keine Jugendförderungspläne bestehen, die bestehenden Pläne nicht kontrolliert werden und die Bürgermeister von Laas, Bortewitz und Niedergoseln meinen, die Jugend solle erst etwas machen, ehe sie einen Förderungsplan erhält — kann dann bei unseren Genossen in den staatlichen Organen in Oschatz alles in Ordnung sein?
Jene Genossen handeln richtig, die Aktivs der jungen- Landintelligenz bilden, Landjugendbibliotheken organisieren, Filmmatinees veranstalten, kleine Dorfkulturgruppen aufbauen und die Initiative der Dorfbewohner zum Bau von Sportanlagen und zur regen sportlichen Betätigung wecken.
Jene Genossen handeln richtig, die der FDJ helfen, auf dem Lande solch neue Formen der Jugendarbeit wie Traktoren-Geschicklichkeitsfahren, Tierbeurteilungen und Pflugwettbewerbe durchzuführen und Interessengemeinschaften für die Mädchen einzurichten.
Es geht darum, die große Kraft der Landjugend voll dem sozialistischen Aufbau nutzbar zu machen. Gelingt es, die jungen Menschen auf dem Dorfe weit mehr als bisher für die Lösung der Aufgaben der Landwirtschaft im zweiten Fünfjahrplan zu mobilisieren, kommen wir unserem Planziel einen großen Schritt näher.
Dieser Text wurde nachträglich digitalisiert. Dabei können Fehler bei der automatischen Texterkennung passieren.
Wir sind bemüht, diese zu beheben: Wenn Sie Fehler finden, klicken Sie hier
Vielen Dank!
Login
