Il/T eisterbauer Berthold Knieß ±TX aus Ahrensberg - Hartenland, Kreis Neustrelitz, schrieb uns kürzlich: „In unserem Ort gibt es drei ständige Gemeinschaften, und ich möchte sagen, sie sind kaum noch wegzudenken. Da waren zwei Bauern, die nicht ganz mit uns Schritt hielten, aber seitdem sie der Gemeinschaft angehören, haben sie bedeutend weniger Schwierigkeiten als zuvor. Die Traktoristen brauchen nicht mehr unnötig spazierenzufahren, können die Technik besser nutzen, und wir erleichtern uns dip Arhpit "
Eine andere Auffassung über die ständigen Arbeitsgemeinschaften vertritt der werktätige Einzelbauer Riedel aus Leist, Kreis Greifswald, gleichfalls ein tüchtiger Landwirt, dessen Wirtschaft Beispiel für viele seiner Kollegen ist. Er sagte: „Wir haben es bis jetzt immer geschafft, und das ist auch weiterhin möglich. Wenn ich allein wirtschafte, dann redet mir niemand darein."
Zwei tüchtige Bauern, zwei verschiedene Meinungen. Wer von ihnen hat recht?
Bauer Knieß wie Bauer Riedel werden sich an die ersten Jahre nach 1945 erinnern können. Damals w^r es gang und gäbe, daß ein Bauer dem anderen Saatgut zur Verfügung stellte, ihm seinen Pflug, seine Drillmaschine, den Ochsen oder das Pferd borgte. Ohne diese gegenseitige Hilfe wäre es unmöglich gewesen, so schnell die Folgen des faschistischen Krieges zu überwinden, so schnell die Landwirtschaft in der Deutschen Demokratischen Republik zu entwickeln. Ohne diese Methode wäre es auch den Einzelbauern Riedel und Knieß schwergefallen, sich solche Wirtschaften aufzubauen, die sie heute voll Stolz ihr eigen nennen. Diese gegenseitige Hilfe der werktätigen Bauern hat in der Deutschen Demokratischen Republik also gute Traditionen und trägt reiche Früchte.
„Nun gut", mag jetzt Bauer Riedel antworten, „das war damals, aber heute haben wir das doch nicht mehr nötig." Und Bauer Knieß aus Ahrensberg wird seinem Kollegen darauf antworten: „Gewiß, darnals hatten wir große Schwierigkeiten zu überwinden, aber stehenbleiben wollen wir doch auch heute nicht. Wenn wir bereits vor Jahren mittels der gegenseitigen Hilfe solche großen Erfolge erzielen konnten, wieviel mehr muß sie uns jetzt, unter anderen, besseren Bedingungen nutzen?"
Freilich handelt es sich heute bei den ständigen Gemeinschaften um eine andere, höhere Form der gegenseitigen Hilfe, und viele Beispiele beweisen, daß diese gemeinschaftliche Arbeit der Schlüssel zu großen Erfolgen für die Bauern ist, die heute noch nicht bereit sind, Mitglied einer Produktionsgenossenschaft zu werden, die noch nicht erkennen, daß den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften die Zukunft gehört.
TJ7as ist das Wesen einer ständi- " gen Arbeitsgemeinschaft? Mehrere Einzelbauern schließen sich zusammen, um die Hauptarbeiten der Feldwirtschaft, einschließlich des Drusches und der Ablieferung, gemeinschaftlich zu verrichten. Der Boden, die Maschinen und Geräte sowie die erzeugten Produkte bleiben natürlich nach wie vor persönliches Eigentum der Bauern. Ihr Ziel ist es, die Arbeit zu erleichtern, höhere Erträge zu erreichen, die Technik der MTS besser zu nutzen und die Verpflichtungen gegenüber dem Staat rechtzeitig zu erfüllen. Manche zentrale Stellen vertreten die irrige Ansicht, die Anzahl der Betriebe, die sich in einer ständigen Gemeinschaft zusammenschließen wollen, zu beschränken. Dadurch würden aber von vornherein die Vorteile der gemeinschaftlichen Arbeit eingeengt werden.
Welche Vorteile bringt diese Arbeitsweise den Bauern? Beantworten wir die Frage mit den Ergebnissen der Arbeit der ständigen Gemeinschaft in Steinfeld, Kreis Stralsund.
Aus der gegenseitigen Hilfe, wie sie 1945 auch hier Brauch war, aus den Saisongemeinschaften während der Ernte und des Drusches, wuchs im vergangenen Jahr eine ständige Arbeitsgemeinschaft. Sechs Bauern gehören ihr an. Sie führten bereits die Herbstbestellung gemeinsam durch. Der Sohn des Bauern Battke pflügte als Schichttraktorist die Saatfurche. Das war im Handumdrehen geschehen und wird in diesem Jahr noch schneller möglich sein, weil die Bauern die Fruchtfolge so abstimmen, daß unnützes Hin- und Herfahren vermieden wird. Die leichten Feldarbeiten führen riie Bauern dann mit ihren eigenen Zugkräften und Geräten durch.
Bessere Nutzung der Technik, das ist der erste Vorteil gegenüber ihren noch einzeln wirtschaftenden Kollegen. Dieser Vorteil wirkt sich aber erst dann aus, wenn sich solche Bauern zusammenschließen, deren Felder benachbart sind. Innerhalb von drei Tagen waren die 12 ha Roggen bestellt. Die sechs Bauern, die der Gemeinschaft angehören, beendeten dadurch als erste im Dorf die Roggenaussaat, und zwar zum agrotechnisch günstigsten Termin.
Die rechtzeitige Durchführung der Arbeiten, das ist der zweite Vorteil, der der ständigen Gemeinschaft half, die einzeln wirtschaftenden Bauern zu überflügeln. Sichere und hohe Erträge sind das Resultat. Obwohl die Roggen aussaat nur drei Tage in Anspruch nahm, arbeiteten die Bauern nur etwa 8V2 Stunden täglich, und ihre Frauen brauchten sich nicht um die Feldarbeiten zu kümmern.
Kürzerer Arbeitstag, mehr Zeit für die Viehwirtschaft, für das Studium und für die Teilnahme am kulturellen Leben, das ist der dritte Vorteil, den die Gemeinschaft genießt.
Sechs Bauern, die sich in Steinfeld zusammenschlössen, das sind sechs Menschen mit verschiedenen Erfahrungen, Kenntnissen und Fertigkeiten. Einer von ihnen hat sicherlich besonderes Interesse für die Getreidekulturen und ein anderer besonderes Geschick beim Anbau von Hackfrüchten. So kommen die Erfahrungen eines jeden Mitgliedes der ganzen Gemeinschaft zugute.
Die Anwendung der besten Methode, der ständige Erfahrungsaustausch, das ist der vierte Vorteil, der sich aus der gemeinsamen Arbeit ergibt.
Die MTS Franzburg hat jetzt mit der ständigen Gemeinschaft in Steinfeld einen Sammelarbeitsvertrag für das ganze Jahr abgeschlossen. Entsprechend diesem Vertrag ist sie verpflichtet, den Bauern die Forschungsergebnisse der Agrarwissenschaft durch einen Agronomen ständig zu vermitteln. Die Anwendung der neuesten Erkenntnisse der Agrobiologie — das ist ein weiterer Vorsprung der gemeinsam arbeitenden Bauern vor ihren Kollegen.
/"Offensichtlich hat nicht der werkv-/ tätige Einzelbauer Riedel, sondern sein Kollege Knieß recht. Wenn nämlich Bauer Riedel so weiter arbeiten will wie bisher, dann muß er bald feststellen, daß er hinter seinen Kollegen, die die Vorteile der gemeinschaftlichen Arbeit nutzen, zurückbleibt. Das haben inzwischen weitere werktätige Bauern aus Steinfeld erkannt. Sie gründeten eine zweite ständige Gemeinschaft und schlössen mit der MTS Franzburg ebenfalls einen Sammelarbeitsvertrag ab. Von diesen großen Vorteilen müssen jetzt alle Bauern durch die Mitarbeiter der MTS und Funktionäre der VdgB (BHG) in Bauernversammlungen und individuellen Aussprachen unterrichtet werden, denn die MTS können es sich nicht mehr leisten, ihre Kapazität zu zersplittern. Nicht in jedem Fall werden die Einzelbauern sofort die Vorteile der gemeinschaftlichen Arbeit erkennen und eine ständige Arbeitsgemeinschaft bilden. Aber das darf nicht dazu führen, daß die MTS ihre Kapazität auch weiterhin verzettelt. Die Mitarbeiter der MTS sollten dann mit den Bauern, deren Felder zusammenliegen, Sammelarbeitsverträge abschließen. Auch diese Verträge sind ein geeignetes Mittel, den Bauern die Vorzüge der gemeinsamen Arbeit vor Augen zu führen. +.
T~Vie beste Form der landwirt-
XJ schaftlichen Produktion bieten natürlich die LPG. Deshalb werden sie auch durch die MTS vorrangig unterstützt. Unser Staat ist aber an hohen Erträgen nicht nur in den Produktionsgenossenschaften, sondern auf allen landwirtschaftlichen Flächen interessiert. Darum gibt er auch den Bauern, die heute noch nicht bereit sind, Mitglieder einer Genossenschaft zu werden, die Möglichkeit, die Produktivität ihrer Wirtschaften zu erhöhen. Diese Möglichkeiten können — wie wir am Beispiel Steinfeld sehen — in den ständigen Arbeitsgemeinschaften weitaus besser als durch die individuelle Arbeitsweise genutzt werden. Durch die gemeinschaftliche Arbeit werden die Bauern auch die noch größeren Vorteile der genossenschaftlichen Großproduktion erkennen und zu genossenschaftlichem Denken angeregt.
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