2. Mai
19.05.1956 / Seite 1 / Allgemein

Neuerermethodengehören zur modernen Technologie

rF^enn die Frage gestellt wird, " wie im zweiten Fünfjahrplan die Produktivität der Arbeit um rund die Hälfte gegenüber 1955 geßteigert werden kann, dann dürfen in der Aufzählung der verschiedenen Faktoren die Neuerermethoden nicht fehlen. Gerade hier Wird das Streben der Werktätigen deutlich, im Interesse der gesamten Gesellschaft und jedes einzelnen Arbeiters die Technik zu verändern. Wo Neuerermethoden mit geringerem Aufwand einen größeren Nutzen bringen, vervollkommnen sie die Fertigungsverfahren; sie sind ein Bestandteil der Technologie des Betriebes.

Dem Dreher Kollotzeck vom Schwermaschinenbau „Ernst Thälmann" in Magdeburg ist es durchaus nicht gleichgültig, ob er das von Technikern und Facharbeitern entwickelte Verfahren zum Schnellgewindeschneiden mit Hartmetall und selbstauslösendem Stahlhalter an seiner Maschine anwenden kann oder nicht. Während er früher mit angespannter Aufmerksamkeit jeden Arbeitsgang verfolgen mußte, weil immer wieder die Gefahr des Bruches des Gewindeßtahles auftrat, springt der selbstauslösende Stahlhalter automatisch zurück, so daß die Schneide ungefährdet ist und das Werkstück eine hohe Qualität erhält. Die Anwendung von Hartmetall an Stelle von Schnellstahl läßt außerdem eine höhere Schnittgeschwindigkeit zu. Die Arbeitszeit wird bedeutend — in einigen Fällen auf ein Fünftel — vermindert.

r7u ähnlichen Ergebnissen führt " in dem volkseigenen Nordthüringischen Textilwerk Bleicherode die Methode von Obermeister Matthes, die die Weberinnen Ziegler und Framke anwenden. Früher bediente jede von ihnen allein mehrere Webstühle, jetzt überwachen sie gemeinsam eine größere Zahl von Maschinen. Während ihre monatliche Planerfüllung vorher 92,8 bzw. 109 Prozent bei 4,64 bzw. 3,57 Fehlern pro 100 Meter Stoff betrug, erreichten sie einen Monat nach dem Übergang zu kollektiver Arbeit an ihren Webstühlen 118,1 Prozent Planerfüllung, wobei die Fehlerzahl auf 1,37 pro 100 Meter Stoff sank. Das „Geheimnis" hier ist, daß durch die gemeinsame Arbeit die Stillstandszeiten der Webstühle, die z.v B. durch Kett- und Schußfadenbrüche entstehen, auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Auch für die Baustoffindustrie hat die Anwendung von Neuerermethoden — wie selbstverständlich für jeden Industriezweig — größte Bedeutung. Das können die Setzer und Brenner der Abteilung I des volkseigenen Ziegelwerkes Herzfelde bestätigen. Mit der Duwanow-Methode des Schnellbrennens haben die Herzfelder in 24 Stunn den 38 Ziegel pro Kubikmeter Ofenraum erreicht, während die Durchschnittsziffer der Ziegelindustrie 14 und weniger Ziegel beträgt. Es handelt sich daher um ein wissenschaftlich begründetes Brennregime, das besonders durch eine lockere Setzweise der Rohlinge im Ofen und einem schnelleren Feuerfortschritt gekennzeichnet ist. Der VEB Ziegelwerk Herzfelde hat im Jahre 1955 trotz großer Schwierigkeiten durch seine fortschrittliche Arbeitsweise 400 000 Ziegel über den Plan und zudem eine überplanmäßige Selbstkostensenkung von 20 000 DM erreicht.

Für den Setzer und Brenner bedeutet die Duwanow-Methode ein noch zügigeres Arbeiten, wenn zugleich der Transport der Rohlinge bzw. Ziegel mechanisiert wird. Vor allem ist die Hitze im Ofen nach dem Brennen infolge der lockeren Setzweise weitaus geringer, und auch die Qualität der Ziegel steigt an;

Man sollte annehmen, daß die Vorzüge dieser Neuerermethoden und -verfahren für sich selbst sprechen und ihrer massenmäßigen Anwendung nichts im Wege steht. Tatsache ist jedoch, daß trotz sehr vieler guter Einzelbeispiele die Schnellzerspanungsmethoden nicht allgemein eingeführt werden. Bekanntlich bezifferte Genosse Walter Ulbricht auf der 3. Parteikonferenz die durchschnittliche Schnittgeschwindigkeit in unseren Zerspanungswerkstätten mit 90 Meter pro Minute, während in der Sowjetunion 300 bis 400 Meter erreicht werden. Von den Webern arbeitet höchstens jeder Dritte nach der Matthes-Methode, und die Duwanow-Methode des Schnellbrennens wird nur von einer sehr kleinen Zahl von Betrieben angewendet. Ähnlich sieht es bei Dutzenden anderer Neuerermethoden aus, obwohl sie sich in der Produktion gut bewährt haben.

Schon diese knappen Angaben lassen jedoch auf die großen, immer noch brachliegenden Reserven für die Steigerung der Arbeitsproduktivität schließen. Offensichtlich hat das Neue seit eh und' je etwas Beunruhigendes für diejenigen, die am gewohnten alten hängen. Obwohl die Werkleiter im Maschinenbau, in der Textil- und Ziegelindustrie, um nur einige zu nennen, die Verpflichtung übernahmen, bewährte Neuerermethoden in die Produktion einzuführen, kommen nicht alle ihren Pflichten mach.

Tmmer wieder wird deshalb die •*■ Frage gestellt, wer eigentlich für die Neuerermethoden verantwortlich sei. Betrachten wir nur die wenigen hier beschriebenen Neuerermethoden, so geht aus ihrem Wesen schon klar hervor, wo die Verantwortung liegt:

Erstens sind die Neuerermethoden nicht etwas von der Technologie oder der Arbeitsorganisation im Betrieb zu Trennendes. Gamz im Gegenteil. Weil sie rationellere Verfahren zum Inhalt haben, den Fertigungsprozeß beschleunigen und vervollkommnen, ist es erforderlich, sie zu einem maßgebenden Bestandteil der modernen Technologie und Arbeitsorganisation zu machen. Die Einführung von Neuerermethoden gehört deshalb zur Verantwortung jeder Hauptverwaltung in den Fachministerien und zu der jedes Werkleiters, weil sie für die Anwendung der besten Methoden und Verfahren im gesamten Industriezweig bzw. im Betrieb Sorge tragen müssen.

Das erfordert, daß in den technologischen Abteilungen, und nicht in den Abteilungen Arbeit der Hauptverwaltungen, daran gearbeitet wird, die vorteilhaftesten Arbeitsverfahren auf den gesamten Industriezweig zu verbreiten. Die wissenschaftlichen Institute sollten die Neuerermethoden mehr zum Gegenstand der Forschung und Weiterentwicklung machen. Ferner ist es notwendig, Wege zu finden, wie den Mitarbeitern der Abteilungen „örtliche Wirtschaft" in den Bezirken und Kreisen geholfen werden kann, ein besseres technisches und ökonomisches Wissen zu erwerben, damit auch sie die Einführung von Neuerermethoden sachgemäß anleiten.

Im volkseigenen Betrieb hat die Werkleitung die technisch-organisatorischen Voraussetzungen für die Einführung bewährter neuer Verfahren und Methoden, zum Beispiel die kontinuierliche Materialanlieferung, die Aufteilung des Betriebsplanes usw., zu sichern. Wenn dann die durch neue Arbeitsmethoden verbesserten technologischen Werte in den Arbeitskarten eingetrageil werden, gehören sie zum festgelegten Fertigungsgang, für dessen Einhaltung der Meister verantwortlich, ist. Vergessen werden sollte auch nicht, in den Perspektivplänen für die technische Entwicklung des Betriebes in den nächsten Jahren die Einführung der Neuerermethoden zu berücksichtigen und sie im Plan der Maßnahmen des technisch-organisatorischen Fortschritts jedes Jahr im einzelnen neu festzulegen.

^weitens sind die Neuerermethoden " Angelegenheit der Gewerkschaften, weil sie arbeitssparende und -erleichternde Verfahren darstellen, deren Anwendung im Interesse des Arbeiters erfolgt. Nicht selten sind noch Vorurteile und rückständige Auffassungen zu überwinden, was eine geduldige Aufklärung erfordert. Der Gewerkschaftsgruppenorganisator muß deshalb in den regelmäßig stattfindenden Produktionsberatungen für ihre Anwendung eintreten. Spezialisten sollten die Verfahren erläutern, so daß immer mehr Arbeiter ihre Vorzüge erkennen und die Einführung der Neuerermethoden ein Teil des sozialistischen Wettbewerbs wird. Die schon bewährte gemeinsame Tätigkeit, die Arbeiter und Angehörige der technischen Intelligenz in betrieblichen und zentralen Neuereraktivs verbindet, wird zur weiteren Verbreitung der besten Arbeitsverfahren führen.

Es wird die Autorität der Gewerkschaftsfunktionäre stärken, wenn die Betriebsparteiorganisationen ihre Arbeit voll unterstützen. Bei der Einführung der Neuerermethoden sollte jeder Genosse zum Wegbereiter einer hochproduktiven Technologie und einer gut durchdachten Arbeitsorganisation im Betrieb werden. Damit schaffen wir wichtige Voraussetzungen, um die im zweiten Fünfjahrplan gestellten Aufgaben erfolgreich zu lösen.

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