3. Februar
18.02.1966 / Seite 1 / Wissenschaften

Hassel drängt auf Atomwaffen

Geheimverhandlungen in Washington begannen

Berlin <ND). Die Bonner Regierun« will die Tagung des „Unterausschusses für nukleare Planung im Soriderkomitee ,der NATO" zu einem massiven .Vorstoß in Richtung auf das erstrebte „nukleare Mitspracherecht" ausnutzen. Der Ausschuß trat, am Donnerstag in Washington zu einer zweitägigen Geheimberatung unter Teilnahme McNamaras, Hassels und anderer Kriegsminister der NATO zusammen.

Diese alarmierende Absicht wird aus einem vermutlich inspirierten Artikel der Springer-Zeitung „Die Welt" deutlich, der in aller Offenheit die von Hassel in Washington verfolgte Taktik darstellt.

Der geplante Vorstoß in. Washington soll in vier Punkten erfolgen: • Die bisher auf die USA, Großbritannien und Frankreich beschränkte „Standing Group" des Militärausschusses soll in einen Planungsstab umgewandelt werden; an dem ;auch andere NATO-Staaten — vor allem Bonn — teilnehmen. .t

# Das „Nuklear-Komitee" der Botschafter im NATO-Rat soll neu belebt werden. % Die Interessen Bonns. bei der Festr legung der Prinzipien und der Hauptziele der nuklearen Strategie sollen besser berücksichtigt werden.

# Die Bundesrepublik verlangt eine effektive Beteiligung an der Verwahrung der auf westdeutschem Territorium liegenden amerikanischen Kernwaffen und an ihrer Kontrolle. Sie fordert ein- „Mitbestimmungsrecht über die Verwendung, d. h. über den Zeitpunkt des Einsatzes, über die Ziele und die Kriterien der Entscheidung". Gleichzeitig verlangt sie „ein Mitbestimmungsrecht auch über den Rückgriff auf alle außerhalb (West-) Deutschlands stationierten Kernwaffensysteme", die auf die DDR angesetzt sind.

(Siehe auch Kommentar auf Seite 2)

T nzwischen ist offenbar geworden, 1 daß diese „Politik der Stärke" nicht die von ihren Autoren erwarteten Resultate, vor allem nicht die von Adenauer lautstark' in Aussicht- gestellte Annexion der Deutschen Demokratischen Republik gebracht hat. Dafür hat sie die Völker mit Besorgnis und Mißtrauen erfüllt und die zunehmende Selbstisolierung des Bonner Staates in der Welt bewirkt.

Über diese Auswirkungen ist sich Fritz Sänger völlig im klaren. In markanten Sätzen zeichnet er die Kette der Mißerfolge der Bonner Politik auf. „Auch Blinde und Taube hätten begreifen müssen, daß- diese Politik niemals zu Erfolgen führen konnte."

In bitteren Worten geißelt Fritz Sänger die Versuche, sich für diesen Bankrott durch deklamatorischen Schwall zu entschädigen. In Wirklichkeit wüßten die Regierenden sehr wohl, meint Fritz Sänger, daß ihre Politik gescheitert sei. Beachtenswert ist in diesem Zusammenhang seine Mahnung, die Wahrheit zu verbreiten:

„In der jüngsten Geschichte unseres Volkes und in seiner Gegenwart wäre vieles besser, vieles für die nächste Generation übersichtlicher und leichter erkennbar, für alle vieles einfacher zu bewältigen und zu begreifen, wenn wir sofort und weit mehr, als bisher geschehen, über die Vergangenheit Klarheit und Wahrheit gesucht und verbreitet hätten."

Durch Klarheit und Wahrheit zu neuen Überlegungen in Westdeutschland. Fritz Sänger läßt erkennen, daß dieses Neubeginnen die Absage an die Aufrüstung, an die Revanchepolitik, die Herstellung guter Beziehungen zu allen Völkern Europas und die positive Mitarbeit West-

(Fortsetzuno Seite 2. Svalte 1)

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