Im Leben der Völker zählen dreißig Tage wie eine Sekunde. Und doch kann ein Monat zuweilen mehr Erfahrungen, Kenntnisse und Einsichten vermitteln als längere Zeiträume sonst.
Heute ist ein Monat seit der Pressekonferenz des Nationalrates der Nationalen Front vergangen. Bis dahin galt der oberste Repräsentant der westdeutschen Bundesrepublik als ein zwar keineswegs geistvoller Kopf, eher als Typ des kleinbürgerlichen Durchschnitts mit Biedermannsmiene.
Seit dem 24; Januar 1966 weiß die Welt dank der DDR, daß dieser Heinrich Lübke nicht das war und ist, was er zu sein scheint. Es ist nunmehr erwiesen — und niemand wagt es zu bestreiten —, daß der oberste Repräsentant der Bundesrepublik für die Rüstungsmonopole und ihren Hitler Konzentrations- und Zwangsarbeitslager persönlich plante und baute, daß er den damals und heute herrschenden Trusts in Gemeinschaft mit der SS Heinrich Himmlers auch die Lagerinsassen lieferte, aus deren Not und Tod sie ihre Gewinne schlagen konnten.
*
Diese von der Deutschen Demokratischen Republik verkündete Wahrheit über Lübke erregte weltweites Aufsehen. Vom hohen Norden Skandinaviens bis zum Süden Afrikas, vom Westen Lateinamerikas zum Osten Asiens nahm und nimmt man mit verständlichem Erstaunen, mit Befremden und vielfach mit Empörung davon Kenntnis: Auf dem Präsidentenstuhl der Bonner Bundesrepublik sitzt Hitlers KZ-Baumeister. Fünf Kontinente sprechen vom „Lübke-Skandal".
Und er selbst? Er kann hören. Er kann sehen. Er kann sprechen. Aber unsere unwiderleglichen authentischen Dokumente haben ihm die Sprache verschlagen. Selbst die Aufforderung durchaus regimetreuer Publikationsorgane Westdeutschlands -un.d. Westberlins, sich doch endlich zu äußern« haben Lübke kein Wort entlocken können: Statt dessen bestätigt er sich momentan als Reisemarschall der westdeutschen Monopole In Afrika; wo er allerdings weniger schweigsam ist.
Aber das feige Schweigen in eigener Sache wird ihm nicht helfen. Dehn die DDR und mit ihr alle anständigen Menschen Westdeutschlands und der Welt werden um so lauter reden. Es gibt Verbrechen, die nicht dem Vergessen und der Verjährung anheimfallen. Denn wo Heinrich Lübke geht und steht, begleiten ihn die Schatten seiner Opfer. Gewiß, die Idee der Konzentrationslager stammt von Hitler und Himmler. Aber Lübke hat sie gebaut. Es gab die höchsten Auftraggeber, die schließlich sich selber aus dem Wege räumen mußten — und es gab die hohen Exekutoren. Einer von ihnen heißt Heinrich Lübke. Dieser Repräsentant der kleinen Minderheit, die Westdeutschland beherrscht, trägt mit dem großen Bundesverdienstkreuz plus Schulterband plus Stern auch die Schuld am Tode von Tausenden Antihitleristen.,
Den Repräsentanten der Völker, die mit ihm zu tun haben, sagen wir: Achtung! Die Hand, die ihr drückt, hat gestern die Entwürfe für Hitlers Folterlager gezeichnet. Der Mann, mit dem ihr sprecht, hat von 1940 bis 1945 eine große Zahl unschuldiger Menschen in den Tod getrieben. Heute feiert er das Verwoerd-Regime in Südafrika und verlangt Beteiligung an der Verfügung über Atomwaffen, um Europa neu aufzuteilen. Ihr habt es mit einem Ehrlosen zu tun, Ebenbild eines Staates, der die faschistische Ehrlosigkeit der Eroberungspolitik wieder zur Gegenwart machen will. Er, der Repräsentant des Bonner Neokolonialismus, besitzt Macht, aber keine Ehre.
Er hat Einfluß, aber genießt kein Vertrauen. Hat er Freunde? O nein! Wenn Diogenes die Menschen mit der Laterne in der Hand suchte — Lübke findet sie in der Welt nur mit den Kreditscheinen der westdeutschen Bundeskasse. Man nimmt sein Geld und schaudert gleichzeitig vor ihm und seinesgleichen.
Hoch erstaunlich scheint bei alledem die Reaktion des offiziellen Bonns. Ein Teil der dortigen Prominenz suchte die Sache überhaupt totzuschweigen. Als das nicht mehr möglich war, tat man die Enthüllungen der DDR als Bagatelle oder Kavaliersdelikt ab. Man faßt sich an den -Kopf und fragt: Sind denn die Begriffe menschlicher Sauberkeit und Ehrbarkeit zu' den Hunden geflohen, daß es in einem deutschen Staat normal erscheint, einen Erbauer von Hitlers KZ- Lagern im höchsten Amt zu wissen? Muß man nicht vom Charakter und den Handlungen des Bundespräsidenten auf den Staat und den Charakter seiner Politik schließen? Kann man überhaupt einem Staat trauen und.
(Fortsetzung .Seite 2, Spalte 1)
Dieser Text wurde nachträglich digitalisiert. Dabei können Fehler bei der automatischen Texterkennung passieren.
Wir sind bemüht, diese zu beheben: Wenn Sie Fehler finden, klicken Sie hier
Vielen Dank!
Login
