Proletarier aller Länder, vereinigt euch!
Deutschland
Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands
Berliner Ausgabe / Einzelpreis 15 Pf
Berlin, Sonnabend, 191 Februar 1966
21. Jahrgang / Nr. 50
Weil die Lage ernst ist...
Wollte man heute schon über die Auswirkungen des Offenen Briefes an die Sozialdemokraten Bilanz ziehen, so wäre das verfrüht. Die Wirkung hat gerade erst begonnen. Aber schon heute kann man sagen: Der Widerhall ist lebhafter und ernsthafter als je zuvor in den letzten zwanzig Jahren. Die veränderte Wirkung erklärt sich wohl vor allem aus der veränderten Lage. Es ist der Ernst der Situation, der politisch denkende Westdeutsche und besonders Sozialdemokraten erregt und auf jedes Wort; das einen Ausweg aus der Gefahrenzone weist, horchen läßt. Die Aggressivität der imperialistischen Führung Westdeutschlands nimmt zu, die Abenteuerlichkeit Wird immer offenbarer. / *
Die Anzeichen für den Ernst der Situation häufen sich täglich. Die Springer-Presse bringt am Freitag in großer Aufmachung einige Sätze des amerikanischen Kriegsministers McNamara, die Senatsprotokollen von Ende Januar entnommen sind. Er fordert „westdeutsche Soldaten für
Staatsrat beriet Fragen der Außenpolitik
Kommunique .der 24. Sitzung des Staatsrates der DDR Beschluß über Änderung des Eingabenerlasses
Berlin (ND). Der Staatsrat der DDR hielt am 18. Februar 1966 unter Leitung seines Vorsitzenden, .Walter Ulbricht, seine 24. Sitzung ab.
Der Vorsitzende des Staatsrates legte ausgehend von der Gesamtkonzeption der DDR zur Sicherung des Friedens in Deutschland und in Europa Probleme der Entwicklung der außenpolitischen Beziehungen der ^DDR im Jahre 1966 dar, die der Staatsrat eingehend erörterte.
Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten, Otto Winzer, gab einen Bericht über das Auftreten der Delegation der DDR unter Leitung des Stellvertreters des Ministers für Auswärtige Angelegenheiten Georg Stibi zum Genfer 18-Staaten-Abrüstungsausschuß. Die Erklärung der Regierung der DDR fand sowohl bei der Mehrheit der Delegationen des Abrüstungsausschusses als auch in der internationalen
Öffentlichkeit eine außerordentlich günstige Aufnahme und ein nachhaltiges Echo. Besonders beachtet wurden die Vorschläge über den Kernwaffenverzicht beider deutscher Staaten und den Appell an die Nuklearmächte, Deutschland von Atomwaffen frei zu halten und beiden deutschen Staaten Garantien für die Sicherheit gegen atomare Angriffe zu geben, sofern ausländische Kernwaffen vom deutschen Territorium abgezogen werden. Der Staatsrat bestätigte den Bericht
Der Staatsrat beschloß einen Erlaß über die Änderung des Erlasses über die Eingaben der Bürger und die Bearbeitung durch die Staatsorgane. Der Erlaß wurde auf Grund der Erfahrungen bei der Bearbeitung und Auswertung der Eingaben der Bürger sowie im Zusammenhang mit der Einführung der 5-Tage-Arbeitswoche in jeder zweiten Woche und der Verkürzung der Arbeitszeit notwendig.
Der Staatsrat unterbreitete der Volkskammer entsprechend §§ 49 und 53 Abs. 1 des Gesetzes vom 17. April 1963 über die Verfassung der Gerichte der DDR Vorschläge für die Wahl eines Vizepräsidenten des Obersten Gerichts sowie für die Nachwahl eines Richters des Obersten Gerichts.,
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Das Bonner System der
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Heute auf Seite 3
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an der Staatsgrenze
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Neue Beweise gegen
Lübke übergeben
Bonner Staatsanwalt Hörn sicherte DDR-Staatsanwälten Prüfung der Unterlagen zu
Bonn (ADN-Korr.). Im Auftrage des Generalstaatsanwaltes der DDR übergaben am Freitag die Staatsanwälte Foth und Ender dem Bonner Staatsanwalt Hörn weitere 20 Beweisdokumente im Umfang von 38 Blatt über die Vergangenheit Lübkes. Staatsanwalt Hörn sicherte eine neue Prüfung der Unterlagen durch den leitenden Bonner Oberstaatsanwalt Drügh zu,
Die neuen Dokumente geb'en Aufschluß über die unmenschlichen Zustände in den KZ Peenemünde-Karlshagen und Leau- Staßfurt. Die unmittelbare Verantwortung für die Zustände trug der Schlempp- Baustab, dessen stellvertretender und späterer Leiter Heinrich Lübke war.
Zu den. übergebenen Dokumenten gehört ein Erlaß des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion vom
3. Juni 1944 über die Neuorganisation des Bauwesens im Reichsgebiet. Daraus geht eindeutig hervor, daß von diesem Zeitpunkt an Heinrich Lübke zum hauptverantwortlichen Leiter des Schlempp-Stabes für die KZ Leau und Staßfurt wurde.
In erschütternden Aussagen von polnischen und DDR-Bürgern werden die unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen in den Lagern geschildert. Über das KZ Karlshagen wurden der Bonner Staatsanwaltschaft fünf Aussagen von DDR-Bürgern übergeben, über das KZ Leau und über Staßfurt die Aussagen von sieben polnischen Zeugen und fünf DDR- Zeugen. Die polnischen Zeugenaussagen wurden von der Hauptkommission zur Untersuchung hitlerfaschistischer Verbrechen beim Justizministerium der Volksrepublik Polen zur Verfügung gestellt.
(Ausführlicher .Bericht auf Seite 5)
Gut gerüstet zum Bauernkongreß
Landwirtschaftsrat der DDR wertete Ergebnisse der Kreisbauernkonferenzen aus
Berlin (ND). Am Freitag fand in Berlin die 11. Tagung des Landwirtschaftsrätes der DDR statt. Sie stand im Zeichen des 11. Plenums und der Vorbereitung des IX. Deutschen Bauernkongresses. Die Mitglieder ... des., Landwirtschaftsrates, Agrarwissenschaftler, Genossenschaftsbäuerinnen und -bauen!, Funktionäre der Parteien und des Staates berieten, wie die Beschlüsse des 11. Plenums in der Landwirtschaft schöpferisch verwirklicht werden.
Der Landwirtschaftsrat wertete die Ergebnisse der Kreisbauernkonferenzen und der Jahresendversammlungen der Genossenschaften aus. Er 'beriet eingehend die Referate für den IX. Deutschen-Bauernkongreß,' der am 26. und 27. Februar in Berlin stattfindet. Es werden referieren: Minister Georg Ewald, Vorsitzender des Landwirtschaftsrates der DDR, über „Die Erhöhung der Erträge und die weitere Anwendung des neuen ökonomischen Systems der Planung und Leitung in der
sozialistischen Landwirtschaft der DDR"; Prof. Dr. Dr. Hans Stubbe, Präsident der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften, über „Die Agrarwissenschaft als Produktivkraft" und Fritz Woit, Vorsitzender der LPG „Karl Marx" Görzig und Mitglied des Kooperationsrates Gröbzig-Görzig-Osternienburg, über „Probleme des Überganges zur industriemäßigen / Organisation und Planung in den sozialistischen Landwirtschaftsbetrieben im Zusammenhang mit der Entwicklung von Kooperationsbeziehungen."
Der Landwirtschaftsrat nahm Berichte des Vorsitzenden des Staatlichen Komitees für Erfassung und Aufkauf, des Vorsitzenden des Komitees für Landtechnik und material-technische Versorgung sowie der Vertreter der Ministerien für Bauwesen, Handel und Versorgung, des Maschinenbaus und der Lebensmitteln industrie entgegen.
Heute mit Beilage
DIE
GEBILDETE NA TION
Vietnam". Was bezweckt diese agitatorische Bombe der Springer-Presse? Den Bundesbürgern wird damit erklärt: Dieser Forderung könnt ihr euch nicht entziehen. Irq übrigen gibt es genügend Beweise,-daß die Aktion bereits angelaufen ist. Niemand beruhige sich, Vietnam sei ja weit weg.' Durch eine Teilnahme am schmutzigen Krieg gegen Vietnam wird Westdeutschland direkt mit dem Punkt des Erdballs verbunden, an dem die Imperialisten durch weitere Eskalation einen großen atomaren Krieg zünden könnten. Ja, die Entsendung westdeutscher Truppen wäre schon ein weiterer Schritt der Eskalation. Auch Hitler leitete den zweiten Weltkrieg nicht an den deutschen Grenzen, sondern in Spanien ein. Es ist gerade dreißig Jahre her. f Erst gestern berichteten wir über das Programm, das die Bonner Regierung dem NATO-Ausschuß für nukleare Planung vorgelegt hat. Da ist der Weg aufgezeichnet, auf dem der Bundeswehr im Rahmen der NATO Zugang zu Atomwaffen eröffnet werden soll. Gleichzeitig legte der sowjetische Delegierte im Genfer Abrüstungsausschuß Beweise vor, daß die Kapazität für die Kernwaffenproduktion in Westdeutschland ständig anwächst. Diese Vorstöße der Bonner Regierung zur Atomwaffe werden zu einem Zeitpunkt gemacht, da ein neuer verbesserter sowjetischer Vorschlag für einen Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen auf dem Tische liegt. Wieder zeigt sich, daß Bonn mit fanatischer Beharrlichkeit jede Chance für eine Rüstungsbeschränkung abzuschneiden bemüht ist. Was aber würde ge-- schehen, wenn die Atombombe in die Hand einer Regierung gelangte, die schon heute Europa mit uferlosen Gebietsforderungen beunruhigt?
Auch innerhalb der Bundesrepublik selbst, das spüren viele Sozialdemokraten und besonders die Gewerkschafter, wird es ernst. Das Monopolkapital und mit ihm die Regierung Erhard sind zur Offensive gegen die Arbeiter und ihre Gewerkschaften angetreten. Die Profite steigen, die Preise steigen. Doch den Arbeitern soll ein entsprechender Anteil am Nationaleinkommen verweigert werden. Die Gewerkschaften wehren sich, die IG Metall hat gerade durch ihren Kampfwillen einen Teilerfolg erringen können. Niemand glaube aber, daß damit die Offensive der Unternehmer abgeschlagen ist. Sie läuft auf längere Sicht, wird weitergehen und sich neuer Mittel bedienen. Neue gefährliche Machtmittel für den Staat der Monopole sind sichtbar. Wir meinen die Notstandsgesetze. Schon türmen sich die schwarzen Wolken der Notstandsdiktatur drohend über dem, Horizont Westdeutschlands.
Es gibt also Grund genug, sich über die Lage in Westdeutschland zu beunruhigen. Gewiß, das Kräfteverhältnis hat sich für den westdeutschen Imperialismus verschlechtert, die DDR als Hort des Friedens ist stärker geworden. Aber das garantiert die Sicherheit noch nicht. Die vernünftigen Deutschen dürfen nicht zulassep, daß Bonn die Aggressivität immer weiter treib't. In erster Linie kommt es dabei auf die Arbeiter an, auf ihre Parteien und Organisationen. Es hat keinen Wert, über alles zu diskutieren, und es ist gewiß auch nicht möglich, sich jetzt über alles zu einigen. Es gilt, über die Schritte einig zu werden, mit denen heraufziehende Gefahren vom ganzen deutschen Volke abgewendet werden. Die sechs Punkte zur deutschen Politik, die Walter Ulbricht schon in seiner Neujahrsansprache formuliert, hat, bezeichnen jenen wesentlichen. Bereich, in dem die SED und. die SPD einander näherkommen sollten.
Zweiter Tag
der Bundesvorstands-
Sitzung des FDGB
Berlin (ND). Der Freitag stand im Zeichen der Diskussion über den Rechenschaftsbericht des Präsidiums und das Referat des Vorsitzenden des Bundesvorstandes, Herbert Warnke.
• Lothar Lindner, Vorsitzender der IG Bau/Holz: „Die Gemeinschaftsarbeit zwischen Projektanten und Bauarbeitern schafft Voraussetzung für gute Erfolge im Komplexwettbewerb auf den Baustellen."
• Adolf Deter, Mitglied des'Bundesvorstandes des FDGB: „Unsere Sympathie gehört den kämpfenden Arbeitern in Westdeutschland."
• Durch die bisher größte Solidaritätsaktion des FDGB konnte der Bundesvorstand dem vietnamesischen Volk Spenden im Werte von 1,2 Millionen Mark übergeben.
(Siehe unseren Bericht auf Seite 2)
Otto Brenner: Lohntarif ist Erfolg der Gewerkschaft
Von unserem Sonderkorrespondenten
Frankfurt (Main). Der Vorsitzende der IG Metall, Otto Brenner, hat am Freitag in Presseerklärungen die neue Tarifvereinbarung mit den Metallindustriellen als einen Erfolg der Gewerkschaft bezeichnet, der gegen den- harten- Wiäeatfand der Unternehmer und gegen die Schützenhilfe der Bundesregierung für die Arbeitgeber errungen wurde. Der Beirat der Gewerkschaft, das höchste Gremium zwischen den Gewerkschaftstagen, werde am 23. Februar das Ergebnis diskutieren.
Der IG-Metall-Vorsitzende betonte, daß die Unternehmer am Ende des 28stündigen Gespräches gezwungen waren, die Forderungen der IG Metall anzunehmen, die auf der Wiesbadener Konferenz am 13. und 14. Januar erhoben wurden.
Den Verhandlungserfolg sicherten nahezu eine Viertelmillion Metallarbeiter, die in Warnstreiks den. Unternehmern und
der Bonner Regierung den festen Willen und die Kraft der Gewerkschaften vor Augen führten.
Das Abkommen unterliegt von beiden Seiten einer Erklärungsfrist bis zum 1. März. Sollten.die Unternehmer sich bis dahin negativ erklären, so gelten die Verhandlungen als erneut gescheitert, und es muß ein neues, diesmal zentrales Schiedsverfahren durchgeführt werden.
Bonn (ADN). Der Bonner Wirtschaftsminister Schmücker hat am Freitag neue Preiserhöhungen angekündigt. Er betonte, die Bundesregierung sei mit dem Lohn- und Gehaltsabkommen in der Metallindustrie nicht zufrieden. Schmücker drohte offen, Bundesregierung und Unternehmer wollten gemeinsam versuchen, die Lohnerhöhungen in der Metallindustrie durch Preissteigerungen wieder null und nichtig zu machen.
Protokollentwurf
übergeben
Zu den Passierscheinvorschlägen der DDR
Berlin (ADN). In der Westberliner Presse wurden in den letzten Wochen wiederhol! wahrheitswidrige und entstellende Berichte über den Inhalt der Vorschläge* der Regierung der DDR für den Abschluß eines neuen Passierscheinabkommens, veröffentlicht. Wie ADN erfährt, hat der Vertreter der Regierung der DDR dem Vertreter des Senats von Westberlin einen Protokollentwurf für Verwandtenbesuche zu Ostern und Pfingsten sowie für Verwandtenbesuche .in dringenden Familienangelegenheiten übergeben. In ihm wird darauf verwiesen, daß Staatssekretär Dr. Michael Kohl und Senatsrat Horst Korber seit dem 25. Januar 1966 wiederholt zu Verhandlungen über die Ausgabe von Passierscheinen für Einwohner von Berlin (West) zum Besuch ihrer in der Hauptstadt der DDR 'wohnhaften Verwandten zusammengekommen sind.
Es wird dann festgestellt, daß in den Verhandlungen eine Übereinkunft erzielt wurde, die dem Protokoll als Anlage beigefügt ist. Für das Passierscheinabkommen ist eine Gültigkeitsdauer, bis zum 30. Juni 1966 vorgesehen. Es soll mit seiner Anlage von beiden Seiten gleichlautend veröffentlicht werden.
Für die Unterzeichnung sind wortgetreu die gleichen Formeln übernommen worden wie bei den bisherigen Passierscheinabkommen. Das Datum der Unterzeichnung steht noch offen.
Staatssekretär Dr. Kohl unterbreitete Senatsrat Korber den Vorschlag, die Passierscheinverhandlungen am Montag, dem 21. Februar 1966, fortzusetzen.
U Thant dankt
Otto Winzer
DDR-Vorschläge stimmen mit Resolution der UNO-Vollversammlung überein
Berlin (ADN). Den Dank des UNO-Generalsekretärs U Thant für die Übermittlung der DDR-Erklärung zur Gewährleistung der europäischen Sicherheit brachte der Leiter des Kabinetts des UNO- Generalsekretärs, C. V Narasimhan, in einem Schreiben an DDR-Außenminister Otto Winzer zum Ausdruck. In dem Schreiben heißt es: „Ich habe die Ehre, im Namen des Generalsekretärs den Empfang Ihres Schreibens vom 25. Januar 1966 und der beigefügten Erklärung zu den von der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik an die Regierungen aller europäischen Staaten gerichteten Vorschlägen zur Gewährleistung der europäischen Sicherheit u. a. hinsichtlich der Resolution 2129 XX der Vollversammlung vom 21. Dezember 1965 über Aktionen auf regionaler Ebene im Hinblick auf* die Verbesserung gutnachbarlicher Beziehungen zwischen den europäischen Staaten mit verschiedenen sozialen und politischen Systemen dankend zu bestätigen." Der DDR-Außenminister hatte im Brief an U Thant betont, daß die DDR-Vorschläge in Übereinstimmung mit der UN-Charta stünden.
Legion Vietnam fest zugesagt
McNamara: USA wollen dafür Bonner Großmachtstreben fördern
Berlin (ADN/ND). Das westdeutschamerikanische Komplott um die Legion Vietnam hat jetzt eine dramatische Bestätigung gefunden. Wie aus einer Aussage des amerikanischen Kriegsministers Mc- Namara vor einem Senatsausschuß hervorgeht, hat die Bonner Regierung Washington bereits eine bindende Zusage für die Aufstellung einer Vietnam-Legion gegeben. Als Gegenleistung hat die USA- Regierung versprochen, Bonn werde in Kürze „eine wesentlich größere Rolle in der Weltpolitik spielen" als heute.
Erlangen. Der USA-Botschafter in Westdeutschland, McGhee, bestätigte am Freitag das schmutzige^1 Tauschgeschäft zwischen Washington und Bonn. Er hielt es für notwendig, „die von (West-) Deutschland bekundete Bereitschaft ernst zu nehmen, seine nationalen Hilfsquellen für die Unterstützung anderer einzusetzen." Während seines Vortrages an , der Universität Erlangen demonstrierten mehr als hundert Studenten vor dem Gebäude gegen den schmutzigen Krieg der USA in Vietnam.
Offener Brief wirkt
in Westdeutschland
Bestätigung durch CDU-Ministerpräsident Lemke
Mölln <ADN). Der schleswig-holsteinische CDU-Ministerpräsident Dr. Lemke bestätigte auf einer CDU-Regionaltagung in Mölln, daß über den Inhalt des Offenen Briefes des ZK der SED an die Delegierten des Dortmunder Parteitages der SPD und an alle Mitglieder und Freunde der Sozialdemokratie in Westdeutschland von „Gruppen in der Bundesrepublik wie auch bei einigen Kreisen unserer Verbündeten-" ein Meinungsaustausch geführt wird. Es gäbe Diskussionen darüber, daß man den Realitäten in Deutschland Rechnung tragen müsse und daß die deutsche Frage ohne Anerkennung der DDR nicht lösbar sei.
Das teilt die bürgerliche „Schleswig- Holsteinische Landeszeitung" am 17. Februai*t mit. Sie berichtete über die Ausführungen des CDU-Politikers Dr. Lemke:
„Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß sich zur Zeit bei einigen Gruppen in der Bundesrepublik wie auch bei einigen Kreisen unserer Verbündeten zwei sehr bedenkliche Meinungen herausgebildet haben. Die eine besagt, daß wir uns mehr oder weniger mit dem Status quo abfinden sollten. Die andere besagt, daß man sich irgendwo mit dem Osten, sogar mit Ulbricht, arrangieren solle, um die nationale Wiedervereinigung der Deutschen — selbst unter Übernahme großer Risiken — zu erreichen, da man mit dem Westen nicht weiterkomme."
Nach den zentralen westdeutschen Zeitungen und Rundfunkstationen haben in den letzten Tagen auch zahlreiche westdeutsche Regionalzeitungen über den Offenen Brief in ein- und zweispaltigen Meldungen berichtet.
Anfrage im Reichstag wegen Visaverweigerung
Oslo (ApN/ND). Der norwegische Reichstag wird sich in Kürze mit der Verweigerung der Einreise für die DDR- Sportjournalisten zu den Skiweltmeisterschaften nach Oslo durch das NATO- Travel-Office in Westberlin beschäftigen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Arvid Johanson hat eine Anfrage an den konservativen Außenminister John Lyng eingebracht, in den das Regierungsmitglied gebeten wird, über die „Richtlinien" Auskunft zu geben, nach denen die Gesuche um Einreiseerlaubnis aus der DDR behandelt werden. Einem BPB- Korrespondenten erklärte Arvid Johanson: „Ich möchte hören, was der Herr Außenminister dazu zu sagen hat."
Die Osloer Zeitung „Friheten" berichtete, daß Justizminister, Frau Schweigaard-Selmer, und der Bürochef des staatlichen norwegischen Ausländerbüros, Ofstab, die Behauptung des NATO- Travel-Büros, die DDR-Journalisten seien in Oslo „nicht erwünscht" gewesen, als unwahr dementiert haben.
Amrehn hetzt gegen die SPD
Westberlin (ADN). Die CDU-Fraktion im Westberliner Abgeordnetenhaus hat am Donnerstag eine Debatte um die Demonstrationen gegen die US-Aggression in Vietnam zu einem Generalangriff auf Brandt und die SPD ausgenutzt. In der vierstündigen, zuweilen tumultartigen Auseinandersetzung zu diesem Tagesordnungspunkt warf die Westberliner CDU dem Senat vor, seine Passierscheinpolitik hätte „die Infiltrationstätigkeit linksradikaler Gruppen" gefördert. *
Amrehn' bezeichnete die 3000 Demonstranten am, 5. Februar vor dem Amerika-Haus als „kommunistische Elemente", die „den Namen der Universität und den Namen unserer Stadt* beschmutzt haben" Mit dem Eingehen auf die von der DDR vorgeschlagenen Passierscheinverhandlungen habe der Senat eine „unklare Politik" begonnen.
Der Regierende Bürgermeister Willy Brandt wies den Vorwurf, Westberlin habe unter seiner Amtstätigkeit keine klare Führung, scharf zurück.
Meinungsaustausch mit SED-Westberlin
Moskau (ADN). Das Mitglied des Präsidiums und Sekretär des ZK der KPdSU Michail Suslow und der Sekretär des ZK der KPdSU Boris_ Ponomarjow. sind in Moskau mit dem löind dem 2.Sekretär des Vorstandes der SED-Westberlin, Gerhard Danelius und Erich Ziegler, zusammengetroffen, melde* TASS. In einer offiziellen Mitteilurtg über die Zusammenkunft heißt es, daß die Vertreter der Parteien einen Meinungsaustausch über Fragen des Kampfes für die europäische Sicherheit und für den Frieden, gegen die imperialistische Politik der Aggression, der atomaren Aufrüstung und der Revanche führten. Ferner sei die große Rolle der demokratischen Kräfte und der Friedenskräfte Westberlins in diesem Kampf gewürdigt worden. Das Gespräch habe die volle Übereinstimmung der Ansichten beider Parteien in den genannten Fragen und ihr Streben nach dem Zusammenschluß der internationalen kommunistischen Bewegung bestätigt;
DDR-Delegation aus Genf zurückgekehrt ••
Berlin (ND). Die große Mehrheit der im Genfer 18-Staaten-Abrüstungsausschuß vertretenen Delegationen sehe in den DDR-Vorschlägen an den Ausschuß einen wirklich konstruktiven und gangbaren Weg, um die Weiterverbreitung von Kernwaffen zu verhindern. Das erklärte der stellvertretende Außenminister der DDR Georg Stibi bei der Rückkehl' der von ihm geleiteten Abordnung aus Genf vor der Presse. Das sei auch der Grund, weshalb diese Initiative bei den Konferenzteilnehmern und in der internationalen Öffentlichkeit so starke Beachtung gefunden hat'Dagegen werde in Genf das ablehnende Bonner Echo als Störung der Erörterungen betrachtet
Die Friederismission wurde auf dem Zentrc.lflughafen Berlin-Schönefeld von Kulturminister Klaus Gysi im Namen des Ministerrates herzlich begrüßt. Außerdem waren der stellvertretende Außenminister Dr. Wolfgang Kiesewetter und lei^ tende Mitarbeiter des Ministeriums erschienen. ...
„Rigoletto"
in der Deutschen
Staatsoper
Berlin (ND), Die Deutsche Staatsoper führte am Freitagabend im Rahmen ihrer Verdi-Woche die Oper „Rigoletto" in einer Inszenietung von Erhard Fischer auf. Die musikalische Leitung hatte Heinz Rogner. Die überragenden Sängerdarsteller des Abends waren Sylvia Geszty als Gilda w"i Rolf Kühne in der Titelrolle.
Die Premierengäste, unter denen sich der Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates Dr. Heinrich Homann und der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates Dr. Lothar Bolz befanden, spendeten mehrfach dem Ensemble auf offener Bühne Beifall. Am Schluß gab es' herrliche Ovationen.
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