Noch sind die hohen sportlichen Leistungen der Giganten der Landstraße und die Begeisterung der Millionen an den Rennstrecken der Internationalen Friedensfahrt in frischer Erinnerung, da kündigt sich bereits ein neues großes Sportereignis an: das II. Deutsche Turnund Sportfest vom 2. bis 5. August in Leipzig.
Die besten Sportler unserer Republik werden sich in der Messestadt einfinden, um in Wettkämpfen mit Sportlern aus den volksdemokratischen und anderen Ländern ihre Kräfte zu messen. Sein besonderes Gepräge aber erhält das II. Deutsche Turn- und Sportfest durch die Teilnahme Zehntausender Mitglieder der Sportvereinigungen unserer demokratischen Sportbewegung. Sie werden Zeugnis ablegen vom Entwicklungsstand des Massensports in unserer Republik.
Die deutsche Sportbewegung besitzt große Traditionen in Turnund Sportfesten. Erinnert sei an die Turnfeste um die Mitte des 19. Jahrhunderts, die im Geiste der fortschrittlichen Ideen Friedrich Ludwig Jahns zu einem Bekenntnis für ein einheitliches demokratisches Deutschland wurden; erinnert sei an die großen Feste der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung, aus denen die Arbeiterklasse immer wieder neue Kraft schöpfte für das Ringen um eine bessere Gesellschaftsordnung.
Das Leipziger Turn- und Sportfest wird das bedeutendste Sportfest werden, das Deutschland je erlebte. Es soll zeigen, welch hohen Stand Körperkultur und Sport in einem Staat der Arbeiter und Bauern erreichen können. Es wird neue Schichten unserer Bevölkerung für den Sport und insbesondere für das Turnen begeistern und den Willen der deutschen Sportler zur Einheit und Freiheit im deutschen Sport dokumentieren,
TTberall sind in diesen Tagen die '■J Sportler dabei, sich auf ihrem Spezialgebiet sorgfältig auf das II. Deutsche Turn- und Sportfest vorzubereiten. Der Höhepunkt d^s Sportprogramms im Stadion der Hunderttausend wird zweifellos die große Sportparade der Sportvereinigungen mit ihren Massenübungen sein. Beharrlich gilt es deshalb, ;n den letzten Wochen in den Sportgemeinschaften alle Kraft einzusetzen und zu üben. Das in Leipzig Dargebotene soll-nicht mehr einfache Massengymnastik im herkömmlichen Sinne sein, sondern durch seinen Schwierigkeitsgrad neue Beweise vom hohen Stand unserer demokratischen Sportbewegung geben.
Von größter Bedeutung bei der Vorbereitung auf das Leipziger Treffen sind in den nächsten Wochen die Bezirks- und Kreis- Turn- und Sportfeste. Die Bezirksstadt Suhl gab bereits während der Pfingsttage ein gutes Beispiel. Aas allen Kreisen des Bezirkes waren die Sportler gekommen und feierten gemeinsam mit 260 Sportlern aus Bayern, Hessen, Westfalen und Württemberg ihr erstes Turn- und Sportfest. Überall herrschte eine Atmosphäre spannender Wettkämpfe, und Höhepunkt des Festes wurde der Demonstrationszug von Zehntausenden Sportlern, an dessen Spitze der erfolgreiche Spezialspringer der letzten Wintersaison, Werner Lesser, herzlich begrüßt wurde. Bei diesen Bezirks- und Kreis- Turn- und Sportfesten kommt es jetzt vor allem darauf an, bereits die Übungen, die in Leipzig gezeigt werden sollen, vorzuführen und bis zum August noch zu verbessern.
Schon bei der Vorbereitung des II. Deutschen Turn- und Sportfestes muß es gelingen, möglichst viele Werktätige, die bis heute noch sportlich desinteressiert sind, für die Sportvereinigungen zu gewinnen. Vielen Menschen ist noch noch nicht bewußt, wie sehr die aktive sportliche Betätigung die Lebens- und Arbeitsfreude stärkt, wie sehr regelmäßig und vernünftig betriebener Sport die Gesundheit und körperliche wie geistige Spannkraft des Menschen bis ins Alter hinein erhält. Unser Arbeiter-und-Bauern-Staat, dem die Zukunft in Deutschland gehört, braucht gesunde und lebensfrohe Menschen, die bereit und fähig sind, die großen Aufgaben unseres Fünfjahrplanes zu erfüllen und die Heimat gegen die Feinde des Friedens und des Fortschritts zu verteidigen. Besonderer Wert ist dabei auf die Betätigung in den Grundsportarten Turnen und Gymnastik, in Leichtathletik, Schwimmen sowie in den gemischten Mannschaftskämpfen und Fußballbetriebsmannschaften in Industrie und Landwirtschaft zu legen.
Vielfältige Möglichkeiten gibt es, breiteste Schichten der Bevölkerung für das II. Deutsche Turnund Sportfest zu interessieren. Die Sportler selbst sollten durch Sternwanderungen, Zeltlager, BetriebssDortfeste und andere Veranstaltungen die Begeisterung für das II. Deutsche Turn- und Sportfest wecken. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, bis zum August jede Sportveranstaltung — auch unsere Fußball-Oberligaspiele — im Zeichen des II. Deutschen Turn- und Sportfestes durchzuführen.
Die frühere Arbeiter-Turn- und Sportbewegung konnte ihre Sportfeste nur unter größten finanziellen Opfern der Teilnehmer veranstalten. Die demokratische Sportbewegung knüpft an alte Gepflogenheiten an und führt verschiedene Sammlungen und Lotterien für das II. Deutsche Turn- und Sportfest durch, um das Fest aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Während in Gera und in anderen Bezirken der Republik bisher gute Saftimelergebnisse erzielt wurden, ist das Ergebnis im Bezirk Leipzig selbst noch unbefriedigend.
Die Vorbereitung des II. Deutschen Turn- und Sportfestes ist nicht nur eine Sache der Sportler allein. Die Parteien und Massenorganisationen sollten sich in den noch verbleibenden Wochen stärker als bisher in die Vorbereitungs-' arbeit einschalten und die Sportler unterstützen. In vielen Betriebsparteiorganisationen haben die Funktionäre zwar die große Bedeutung von Körperkultur und Sport erkannt, sie lassen jedoch die notwendige Initiative beim Aufbau einer breiten Massensportbewegung vermissen. Das ist aber eine wichtige gesellschaftliche Arbeit, die nicht an letzter Stelle rangieren darf. Vor allem der FDGB und die FDJ müssen mehr als bisher mithelfen, das Interesse für den Sport zu wecken und das II. Deutsche Turn- und Sportfest zu einem wirklichen Volksfest zu gestalten.
Der (west)Deutsche Sportbund erließ unter dem Druck der Adenauer-Regierung ein Verbot, wonach sich die westdeutschen Sportler nicht am II. Deutschen Turn- und Sportfest beteiligen dürfen. Diese unverständliche Maßnahme steht in krassem Widerspruch zu der Atmosphäre der Entspannung, die sich in den internationalen Beziehungen immer mehr durchsetzt. Sie widerspricht auch den Wünschen der Mehrheit der westdeutschen Sportler, die für enge freundschaftliche Beziehungen zwischen den Sportlern beider deutschen Staaten eintreten.
Für die Sportler der demokratischen Sportbewegung ergeben sich daraus neue wichtige Aufgaben. Wenn sich unsere westdeutschen Freunde auch nicht an den Wettkämpfen in Leipzig beteiligen können, so sollen sie in um so größerer Zahl als Gäste zu uns kommen. Deshalb gilt es, die Verbindungen zu den westdeutschen Sportfreunden zu verstärken und mit ihnen zu besprechen, welche Möglichkeiten «bestehen, daß sie trotz des Verbotes nach Leipzig kommen.
Viele von ihnen würden sicher auch gern schon an den Bezirksund Kreis-Turn- und Sportfesten teilnehmen. Die Proteste vieler westdeutscher Sportler — unter anderen der Funktionäre des Bremer Boxsportverbamdes — gegen das Verbot zeigen, daß sie nicht gewillt sind, die Entscheidung der westdeutschen Sportführer hinzunehmen.
Das Programm des II. Deutschen Turn- und1 Sportfestes wird durch das Startverbot für westdeutsche Sportler keine Minderung erfahren. Sportler der uns befreundeten Länder werden die Lücken schließen. An Stelle von Schalke 04 wird die weltbekannte Fußballelf von Honved Budapest gegen den SC Wismut spielen, und auch die Stadtmannschaft von Bukarest hat ihr Kommen zugesagt. Somit sind alle Voraussetzungen gegeben, das II. Deutsche Turn- und Sportfest auch hinsichtlich des Leistungssports zu einem großen Erlebnis zu gestalten.
Leipzig ruft die Sportler ganz Deutschlands. Sorgen wir dafür, daß der Ruf im kleinsten Dorf unserer Republik und in unserer westdeutschen Heimat gehört wird und das II. Deutsche Turn- und Sportfest zu einem hervorragenden nationalen Ereignis wird.
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