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25.07.1956 / Seite 1 / Freizeit

351 bewarben sich allein am Bahnhof Zoo

Berlin (Eig. Ber.). Mit dem Beschluß des westdeutschen Fußballbundes, für die Zeit vom 25. Juii bis 15. August keine Spielabschlüsse mit Mannschaften der Deutschen Demokratischen Republik zu genehmigen, begann es. Wenig später folgte der Deutsche Turnerbund der Bundesrepublik, der zunächst mit einem Brief seines Vorsitzenden und dann mit der Ankündigung eines Treffens in dem nahe der Grenze gelegenen Witzenhausen für die Zeit vom 3. bis 5. August die westdeutschen Turner abzuhalten versuchte, am II. Deutschen Turn- und Sportfest teilzunehmen.

Nun haben auch die Führer des westdeutschen Handballbundes und des westdeutschen Tischtennisverbandes ihren Mitgliedern die Teilnahme am Leipziger Fest untersagt. Wie der „Deutsche Tischtennissport" in Nr. 13 lakonisch mitteilt, ist die „Einreichung von Genehmigungsanträgen für die Zeit vom 1. bis 6. August zwecklos". Und der Handballbund stößt sogar dj*_ Drohung aus, daß die Mannschaften aus der Bundesrepublik, die in den Tagen vom 29. Juli bis 10. August am II. Deutschen Turnund Sportfest teilnehmen, „damit rechnen müssen, entsprechend zur Verantwortung gezogen zu werden".

Es ist längst klar geworden, daß jene, die solche Verbote aussprechen und solche unsportlichen Maßnahmen einleiten, unter dem Druck der Bonner Regierung handeln. Aus Furcht, die Teilnehmer am? Leipziger Fest der Freiheit, Einheit und Verständigung aller deutschen Sportler könnten die Lust am Dienst in der westdeutschen NATO-Armee verlieren, ließ die Bonner Regierung bereits am 14. April den Deutschen Sportbuni jenen berüchtigten Beschluß fassen, in dem allen westdeutschen Verbänden empfohlen wurde, ihren Mitgliedern die Teilnahme in Leipzig nicht zu gestatten. Erst damit wurde das Signal zur Verbotskampagne gegeben.

So bedauerlich es ist, daß sich eine Reihe von Funktionären der westdeutschen Verbände diesem Druck gebeugt haben, so wenig werden wir den Urhebern der Verbote jetzt den Gefallen tun, mit den Sportfunktionären darüber zu rechten. Ein Beispiel aber mag zeigen, wie sehr sie in Widerspruch zum Willen der Mehrzahl ihrer Mitglieder geraten sind.

Acht Tage lang warb auf dem S-Bahngelände am westberliner Bahnhof Zoo eine große illustrierte Tafel der Bezirksleitung Berlin der Sportvereinigung Lokomotive für das II. Deutsche Turn- und Sportfest. Während dieser Zeit bewarben sich 351 westberliner Bürger für die Fahrt nach Leipzig. Wohlgemerkt, das ist ein Beispiel von vielen! Aber schon diese eine Zahl wird nicht nur den westdeutschen Verbänden das Widersinnige ihrer Handlungsweise verdeutlichen, sondern vor allem der Bonner Regierung die für sie zweifellos nicht neue, aber betrübliche Erkenntnis bringen, daß man mit Verbot und Hetze den Verständigungswillen der deutschen Sportler nicht aufholten kann.

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