2. September
29.09.1956 / Seite 1 / Allgemein

Das Verhältnis zu den Einzelbauern

T~)er Rat des Bezirkes Erfurt gab •*-' kürzlich einen Bericht, wie sich die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften dieses Bezirkes in der ersten Hälfte des Jahres entwickelt haben. Darin wird gesagt, daß in der kommenden-Zeit der Weg der Einzelbauern zur LPG nur noch über die ständigen Arbeitsgemeinschaften führen würde.

In Ebersbach, Kreis Görlitz, baten werktätige Einzelbauern, in die LPG „Neue Heimat" aufgenommen zu werden. Ihr Antrag wurde abgelehnt. Lakonisch teilte man ihnen mit: „Die LPG ist in ihrem Aufbau und in der Organisation noch nicht, so weit, daß wir eine Erweiterung des Betriebes vornehmen können." In der Vollversammlung dieser LPG wurde die Ansicht vertreten, die Einzelbauern sollten sich erst einmal zu einer ständigen Gemeinschaft zusammenschließen, später könnten sie dann Mitglied der LPG werden.

Beide Beispiele stehen leider nicht für sich allein. Einige Genossen haben offensichtlich die Ausführungen über die ständigen Arbeitsgemeinschaften im Bericht des Politbüros an das 28. Plenum des ZK nicht richtig verstanden. Dort wurde gefordert, die Einzelbauern in den verschiedensten Formen, die von der unterschiedlichen Bereitschaft und dem Grad der Bewußtheit der Einzelbauern abhängen, in den sozialistischen Aufbau mit einzubeziehen. Das ist ganz eindeutig eine Absage an jeglichen Schematismus.

Das Interesse vieler Einzelbauern, darunter vor allem Mittelbauern, an den ständigen Arbeitsgemeinschaften und an den LPG ist in letzter Zeit gewachsen. Es bestehen heute bedeutend mehr ständige Arbeitsgemeinschaften als im Vorjahr. Immer mehr Mittelbauern besuchen vorbildliche landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften, um sich an Ort und Stelle von den Vorteilen der sozialistischen Großproduktion zu überzeugen. Die ländlichen Grundorganisationen unserer Partei lassen es jedoch oftmals an geduldigen Aussprachen mit diesen Bauern fehlen. Das tägliche Leben zeigt aber, daß in vielen Dörfern alle oder Gruppen von Bauern bereit sind, zum Beispiel gemeinsam zu dreschen oder gemeinsam die Hackfruchternte einzubringen, um ihre eigenen und die Maschinen der MTS besser auszunutzen. Die VdgB (BHG1, die Agronomen und die Brigadiers der MTS sollten t sich mehr bemühen, diesen Bauern dabei zu helfen, die gemeinschaftliche Arbeit richtig zu organisieren. Der Vorteil wird auf beiden Seiten spürbar sein.

In anderen Dörfern — und das sind nicht wenige — arbeiten die Bauern bereits in ständigen Gemeinschaften. Hier werden die Maschinen und Geräte der MTS besser ausgenutzt, und in bestimmtem Umfang ist auch schon eine Arbeitsteilung, vorwiegend in der Feldwirtschaft, möglich. Unser Staat gibt den Gemeinschaften, die ständig zusammenarbeiten und einen Sammelarbeitsvertrag mit der MTS haben, einen zehnprozentigen Nachlaß vom MTS-Tarif. Bei größeren ständigen Arbeitsgemeinschaften ist es sogar möglich, einen ständigen Traktor der MTS einzusetzen. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß alle Arbeiten mit dieser Maschine ausgeführt werden müssen. Für die Pflugarbeiten zum Beispiel wird zweckmäßigerweise ein anderer Traktor in der Gemeinschaft arbeiten als bei der Pflege der Kulturen. Obwohl also die Maschine wechselt, wird dennoch ständig eine bei der Gemeinschaft sein; Die Mitglieder der ständigen Arbeitsgemeinschaft haben so die Gewähr, daß ihre Arbeiten mit Hilfe der modernen Technik zu den günstigsten agrotechnischen Terminen und in bester Qualität ausgeführt werden.

■p"s ist bekannt, daß unsere Volks- ■*-' Wirtschaft auf die Dauer nicht auf unterschiedliche Produktionsverhältnisse aufbauen kann, auf den sozialistischen Produktionsverhältnissen in der Industrie und den Produktionsverhältnissen kleiner Warenproduzenten und zum Teil kapitalistischer Produzenten in der Landwirtschaft. Der Widerspruch zwischen der modernen Technik in den MTS und der zersplitterten einzelbäuerlichen Wirtschaft "wird immer größer. Er läßt sich nur durch den Übergang der Einzelbauern zur landwirtschaftlichen Großproduktion völlig beseitigen. Dann erst ist es möglich, die Vorteile der Mähdrescher, Kartoffelund Rübenkombines voll zu nutzen. Die Erkenntnisse der Agrarwissenschaft können in ihrer ganzen Breite angewendet werden. AU diese Gründe machen verständlich., warum unsere Partei, die. Organe unseres Staatsapparates und die VdgB (BHG) die Einzelbauern beim freiwilligen Zusammenschluß in landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften unterstützen. Zu diesem Schritt werden sie sich um so eher entscheiden, je besser es gelingt, sie an Hand ihrer eigenen Erfahrungen von den Vorteilen der genossenschaftlichen Großproduktion zu überzeugen.

In manchen MTS wird noch immer die irrige Ansicht vertreten, daß eine gemeinsame Fruchtfolge Bedingung für die ständige Gemeinschaft und den Sammelarbeitsvertrag sei. Dies hält aber die Bauern nur davon ab, ständige Arbeitsgemeinschaften zu bilden. Natürlich erleichtern Flurnachbarschaft und gemeinsame Fruchtfolgen die Arbeit der MTS bedeutend, aber das kann man nicht erzwingen, sondern hier sind die örtlichen Möglichkeiten und die Bereitschaft der Bauern stärkstens zu beachten.

Auch für das Verhältnis unserer ■"■ Partei gegenüber den Einzelbauern und vor allem gegenüber den Mittelbauern gilt der Hinweis im Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas an den VIII. Parteitag: „Der Schlüssel zur Festigung des Bündnisses mit den Mittelbauern liegt darin, daß in der Bewegung für den genossenschaftlichen Zusammenschluß unbeirrt an der Politik der Freiwilligkeit und des gegenseitigen Vorteils festgehalten wird." Wir gehen davon aus, daß die verschiedensten Formen der gemeinschaftlichen Arbeit die Einzelbauern und vor allem die Mittelbauern,, allmählich an die landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften heranführen sollen. Welche Form der gemeinschaftlichen Arbeit — ob zeitweilige Gemeinschaften, ob ständige Arbeitsgemeinschaft, oder landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft vom Typ I, II oder III — die Mittelbauern und andere "Einzelbauern anwenden wollen, darüber sollen sie selbst entscheiden. Worauf es ankommt ist, daß unsere Partei diese, das ganze Leben des Dorfes und jedes einzelnen Bauern verändernde Bewegung führt, und daß sie alle Fragen der Bauern beantwortet.

Aus all diesen Gründen ergibt sich logisch, daß jeder Versuch, die Arbeitsorganisation innerhalb einer Gemeinschaft in ein Schema zu pressen, nur schadet. Es ist den werktätigen Einzelbauern, die sich in einer ständigen Arbeitsgemeinschaft zusammenschließen, selbst überlassen, ob sie sich einen Vorsitzenden oder einen Vorstand wählen oder nicht, oto sie die Arbeit auf der Grundlage einer Arbeitsordnung organisieren oder andere Vereinbarungen darüber treffen und in welcher Form sie schließlich einen finanziellen Ausgleich für die geleistete Arbeit von Betrieb zu Betrieb vornehmen. Unsere Partei und die VdgB (BHG) werden die Einzelbauern dabei beraten, ihnen die Erfahrungen anderer Gemeinschaften übermitteln und den Erfahrungsaustausch organisieren. Und wenn es in ständigen Arbeitsgemeinschaften gegensätzliche Interessen und sogar Versuche geben wird, daß Kleinbetriebe von größeren Wirtschaften übervorteilt werden sollten, werden die Ortsparteiorganisationen helfen, derartiges zu überwinden und die Mitarbeit in der Gemeinschaft zu einer Sache des Vorteils für alle Mitglieder machen.

Die Partei wird ihre führende Rolle dadurch, daß sie die Wünsche der werktätigen Einzelbauern noch mehr beachtet, bedeutend festigen. Das Vertrauen der Bauernschaft zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der führenden Kraft beim sozialistischen Aufbau in der Deutschen Demokratischen Republik wird weiter gestärkt.

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