3. August
12.08.1956 / Seite 1 / Kultur

Kampf dem Feind

im eigenen Land

TVr Hauptfeind des deutschen »*-' Volkes steht in Deutschland: der deutsche Imperialismus. Diesen Feind im eigenen Lande gilt es für das deutsche Volk zu bekämpfen." Der diese auch heute gültige Erkenntnis inmitten des chauvinistischen Taumels während des ersten Weltkrieges mutig aussprach, war der Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands, Genosse Karl Liebknecht. Er wäre morgen 85 Jahre alt geworden. Weil er sein Leben der Vernichtung des deutschen Imperialismus und Militarismus weihte, wurde er 1919 mit 47 Jahren von Militaristen ermordet.

Sie glaubten, damit die Flamme . ausgetreten zu haben, die den deutschen Militarismus in seinen Grundfesten bedroht. Sie sollten sich geirrt haben. Schon sind Imperialismus und Militarismus in einem Teil Deutschlands mit den Wurzeln ausgerottet, und die Geschichte hat seine Vernichtung in ganz Deutschland auf die Tagesordnung gesetzt. In Westdeutschland erhebt er zwar wieder drohend sein Haupt. Von der Bändigung und schließlichen Vernichtung dieser „Quintessenz und Summe aller Volksfeindlichkeit" (Liebknecht) hängen Frieden, Einheit und glückliche Zukunft des deutschen Volkes ab, deshalb hat er keine Perspektiven, auch wenn er heute noch so frech agiert.

In seinem unermüdlichen Ringen gegen Militarismus und imperialistischen Krieg legte Karl Liebknecht die Wurzeln des Übels, die Herrschaft * des Monopolkapitals bloß, vertreten durch „Leute, bei denen die Höhe des Profits proportional ist dem Grade der Zwietracht, des Hasses zwischen den verschiedenen Völkern". Daher sein unaufhörlicher erbitterter Kampf gegen die Krupp und Konsorten als die Verderber der Nation. Deshalb nach den düsteren Erfahrungen des ersten Weltkrieges seine kategorische Forderung im Namen aller, die den Frieden, das Leben lieben, „die Waffenlager und die gesamte Rüstungsindustrie mit Beschlag zu belegen, die industriellen und landwirtschaftlichen Großbetriebe in den Besitz der Gesellschaft zu überführen". Wäre die deutsche Arbeiterklasse an der Verwirklichung dieses Programms nicht gehindert worden, so hätte das deutsche Volk die nationale Katastrophe der Naziherrschaft, des zweiten Weltkrieges, die Spaltung Deutschlands und das Wiederaufleben einer abenteuerlichen Kriegspolitik der westdeutschen Imperialisten nicht zu erleben brauchen. Karl Liebknecht sah 1918 mft prophetischem Blick „einen Erdrosselungsfrieden des Imperialismus und neue Kriege" voraus, falls es nicht gelingen sollte, den deutschen Imperialismus mitsamt seiner ökonomischen Basis zu vernichten. TV] ach der zweiten Weltkriegs- ■"■" katastrophe war die überwältigende Mehrheit der deutschen werktätigen Bevölkerung willens, die Mahnungen Karl Liebknechts zu beherzigen. Aber vorerst nur in einem Teil Deutschlands, in der Deutschen Demokratischen Republik, fand die einheitlich handelnde Arbeiterklasse als Führerin der Nation mit Unterstützung der sozialistischen Sowjetmacht die Kraft, ihren Willen in die Tat umzusetzen. Das Beispiel der DDR als eines antiimperialistischen, friedliebenden deutschen Staates ohne Monopolkapitalisten und Großgrundbesitzer, ohne Militarismus und Rüstungsinteressenten spornt die Bevölkerung Westdeutschlands an und hilft ihr, den Militarismus und seine monopolkapitalistischen Hintermänner auch dort zu bändigen, ihre Macht zu brechen.

Um den Krieg in Europa zu vermeiden, ist es notwendig, den deutschen Militarismus zu beseitigen, so wie das in der DDR geschehen ist Dazu bedarf es gemeinsamer Bemühungen der deutschen Arbeiterklasse und aller friedliebenden Kräfte des»''* deutschen Volkes. Eine friedliche Wiedervereinigung Deutschlands setzt voraus, daß auch in Westdeutschland die friedliebenden demokratischen Kräfte, das Übergewicht gewinnen. "Um die von den Imperialisten verschuldete unselige Spaltung Deutschlands zu überwinden, der Wiedervereinigung näherzukommen, ist es notwendig, die Positionen der DDR als Bastion des Friedens und des Sozialismus zu stärken, die Einigung der deutschen Arbeiterklasse und den Zusammenschluß'- aller'" friedliebenden Kräfte des deutschen Volkes herbeizuführen. Das sind die Lehren für die Gegenwart aus dem Vermächtnis Karl Liebknechts.

Für die Arbeiterschaft, besonders die vom Militarismus am unmittelbarsten bedrohte Jugend in Westdeutschland ist es von großer Wichtigkeit, aus dem Kampf Karl Liebknechts gegen Imperialismus und Militarismus zu lernen, siqh auf diese edelsten Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung zu besinnen. Mit Recht bezeichnete Lenin Liebknechts Namen und Wirken als „das Symbol des unversöhnlichen Kampfes gegen den Imperialismus nicht in Worten, sondern in der Tat". Er hielt mit seinen Kampfgefährten inmitten der nationalistischen Orgien des Weltkrieges die Fahne des proletarischen Internationalismus hoch: „Die wichtigste Tendenz gegen den Imperialismus ist die vom Proletariat getragene Solidarisierung aller Völker." Das heißt heute, der Verhetzimg gegen die sozialistischen Staaten nicht nachzugeben, ihr energisch entgegenzuwirken.

XTarl Liebknecht war kein Einzel- -■-v ganger, kein Rufer in der Wüste^ Seine Energie und Kampfentschlossenheit hatten ihre Wurzel in der Masse, deren Willen und Sehnsüchte er zum Ausdruck brachte. Diese Massenverbundenheit war seine Stärke. Keinen Augenblick ließ er die verlogene Entschuldigung feiger Opportunisten gelten, im Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg hätten „die Massen versagt". Denn er kannte die Massen, ihre Gefühle und Gedanken. „Nirgends haben die arbeitenden Massen den Krieg gewollt, nirgends wollen sie ihn", trat er denjenigen entgegen, die die Verantwortung für ihr eigenes Versagen auf die Massen abzuwälzen versuchten. Der Kampfwille der Massen, so hielt er ihnen schon zu Beginn des Krieges entgegen, ist unter dem Belagerungszustand „sicher stärker, entwickelter, als es den Anschein hat" Der anwachsende aktive Widerstand gegen den imperialistischen Krieg berechtigte ihn vollauf, sich immer wieder auf die „übergroße Masse der Parteigenossen daheim und im Felde, die Auffassung eines großen Teils der Parteigenossen und breiter Bevölkerungskreise" zu berufen, deren Wortführer er war.

Als bewußter Willensträger der Arbeiterklasse im Kampfe gegen Imperialismus, Militarismus und Krieg trat er auch dem Militärtribunal mit dem Ruf entgegen: „Diese Politik ist nicht nur die meinige, sondern die Politik eines stets zunehmenden Teiles der Bevölkerung. Ich weiß mich eins mit einer rasch wachsenden ZahJ von Proletariern im Felde und in der Heimat." Mit demselben Bewußtsein, vom Geiste Karl Liebknechts beseelt, stehen seit Jahren immer wieder Kämpfer gegen den Militarismus vor den Tribunalen in Westdeutschland. Sie drücken den Willen einer rasch wachsenden Zahl von Proletariern und friedliebenden, national gesinnten Menschen aller Bevölkerungsschichten auSi

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