7. Januar
11.01.1956 / Seite 1 / Freizeit

Preispolitik im Interesse der Arbeifer und Bauern

IVaturgemäß wird die Entwick- ^ ' lung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse von den Werktätigen in der Stadt und auf dem Lande stets mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Fällt doch ein wesentlicher Teil der Ausgaben der Arbeiter, Angestellten, Handwerker usw. auf den Einkauf von Lebensmitteln, während die Erzeugerpreise die Einnahmen der bäuerlichen Bevölkerung bestimmen.

Der überzeugendste Beweis dafür, daß es sich hierbei nicht etwa um gegensätzliche Interessen der Arbeiter und Bauern handelt, ist die erfolgreiche Politik unserer Regierung, die Lebenshaltung aller Werktätigen in der Deutschen Demokratischen Republik ständig zu heben. So konnte der Verbrauch an Fleisch und Fleischwaren in unserer Republik von 1950 bis 1954 mehr als verdoppelt werden, so daß der Pro-Kopf-Verbrauch 1954 bei uns 45 kg gegenüber 43,4 kg in Westdeutschland erreichte. Es liegt auf der Hand, daß diese hohe Ziffer vor allem durch eine bedeutende Steigerung der Inlandsproduktion erreicht werden konnte. Diese Steigerung spiegelt sich u. a. auch in den wachsenden Einnahmen der Bauern aus dem freien Verkauf landwirtschaftlicher Produkte wider, die sich im Verlaufe unseres ersten Fünfjahrplanes um etwa das 4'/2fache erhöhten.

Das System der Ablieferung und des freien Aufkaufs zu erhöhten Preisen hat sich also gut bewährt. Bei uns gibt es keine Junker und kapitalistischen Spekulanten mehr, die den Bauern um die Früchte seiner Arbeit bringen. Erstmalig in der Geschichte des deutschen Volkes blickt der werktätige Bauer zuversichtlich in difi Zukunft.

Tjer westdeutsche Bauer kann 1J leider nicht das gleiche von sich sagen. Was ihm als freie Marktwirtschaft gepriesen worden war, hat sich längst als ein Mittel zur Ruinierung der Klein- und Mittelbauern entpuppt. Die Lage von Millionen Bauern hat sich in den letzten Jahren derart verschlechtert, daß die Adenauer-Presse heute offen von einer Krise der westdeutschen Landwirtschaft spredien muß.

So schreibt das großbürgerliche Blatt „Die Zeit", Hamburg, am 5. Januar, daß das Einkommen großer Teile der Bauernschaft und ihrer mitarbeitenden Familienangehörigen auch nicht annähernd einem Einkommen in arideren Wirtschaftsbereichen entspricht. Breite Bauernschichten seien unruhig und erbittert. „Die Kreise der Kleinbauern sind zusätzlich durch die Sorge bedrückt, mit der beabsichtigten Strukturwandlung ihre Höfe . . * zu verlieren." Und bereits Mitte Dezember berichtete „Die Welt" unter der bezeichnenden Überschrift „Der Aufruhr der Bauern", „daß sich unter den (west)deutschen Bauern in den letzten Wochen eine wachsende Unruhe und Unzufriedenheit bemerkbar machten . . * Der arbeitende Mensch flieht vom Land . . ." Die Maschinen seien teuer, deshalb könnten die IV2 Millionen landwirtschaftlicher Kleinbetriebe die Mechanisierung nicht vertragen.

Entsprechend dem grünen Plan der Adenauer-Regierung sollen etwa 1,8 Millionen Klein- und Mittelbauern den kapitalistischen Großbetrieben zum Opfer fallen und vom Lande vertrieben werden. Die Junker, Monopolisten und kapitalistischen Spekulanten erhoffen auf diese Weise weitere Profite und gleichzeitig ihre Politik der Kriegsvorbereitung schneller durchführen zu können. Von ihrem sauberen Vorhaben wollen sie ablenken, indem sie die Arbeiter gegen ihre natürlichen Bundesgenossen, die werktätige Bauernschaft, wegen der schnell steigenden Verbraucherpreise aufzubringen versuchen. Das dürfte ihnen jedoch auf die Dauer kaum gelingen, denn es läßt sich nicht mehr verheimlichen, daß die steigenden Nahrungsmittelpreise m erster Linie den kapitalistischen Spekulanten zugute kommen und die westdeutsche Remilitarisierung finanzieren helfen, während die Masse der werktätigen Bauernschaft immer schneller dem Ruin zugeht.

P\ie Bauern in der Deutschen De- ■*-' mokratischen Republik kennen derartige Sorgen nicht. Die ständigen fürsorglichen Bemühungen unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates und der Arbeiterklasse um die Förderung der Landwirtschaft werden durch eine Preispolitik unterstützt, die voll und ganz den Interessen der gesamten werktätigen Bevölkerung entspricht. Das trifft selbstverständlich auch auf die neuen Erfassungs- und Aufkaufpreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu, die auf Beschluß des Ministerrates der Deutschen Demokratischen Republik am 1. Januar 1956 in Kraft getreten sind.

Entsprechend den Vorschlägen der 25. Tagung des Zentralkomitees der SED wurden bei einer Reihe von Erzeugnissen die Erfassungspreise erhöht und die Aufkaufpreise gesenkt. Das bewährte System der Teilablieferung und des freien Aufkaufs zu erhöhten Preisen bleibt also bestehen. Auf diese Weise wird die Entwicklung wirtschaftlich noch schwacher Landwirtschaftlicher Produktionsgenossenschaften und zurückgebliebener Betriebe von Einzelbauern, die bisher für den freien Aufkauf weniger liefern konnten, gefördert, während leistungsstarke Wirtschaften einen Anreiz erhalten, durch weitere Produktionssteigerungen die Einnahmen zu erhöhen.

Die neuen Erfassungspreise haben, wie jeder bereits feststellen konnte, keinerlei Auswirkungen auf die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel. Die Handelsorgane bzw. die Verarbeitungsbetriebe der Lebensmittelindustrie werden auch weiterhin von den Erfassungsorganen zu den alten Preisbedingungen beliefert. Die Differenz zwischen den alten und neuen höheren Erfassungspreisen wird staatlich subventioniert. Das gilt selbstverständlich auch für die Lebensmittel auf Karten, deren Preise bei Berücksichtigung der Verarbeitungsund Handelskosten jetzt unter den Erzeugerpreisen liegen.

"D ei der Festsetzung der neuen Er- ■*■* fassungs- und Aufkaufpreise wurden besonders arbeitsintensive Kulturen und die Jahreszeit der Lieferung berücksichtigt, was sich günstig auf einen erhöhten Anbau von Intensivkulturen und eine bessere Versorgung von Bevölkerung und Industrie auswirken wird.

Um eine Verbesserung der Qualität der Viehbestände zu fördern, wurden beispielsweise die Erfassungspreise für Rindfleisch sehr unterschiedlich erhöht. Diese stärkere Differenzierung wird dem Bauern Anlaß sein, die Tiere besser zu mästen. Der Bauer erhält dann einen wesentlich höheren Preis und die Bevölkerung besseres Rindfleisch.

Nach der neuen Verordnung sind die Erfassungspreise für Schlachtvieh außerdem nach Jahreszeiten gestaffelt: für Vieh, das im III. Quartal abgeliefert wird, erhält der Bauer besondere Preiszuschläge. Das wird zweifelsohne zu einer gleichmäßigeren Belieferung der Bevölkerung mit Fleisch beitragen.

Die Preisveränderungen in der Landwirtschaft geben allen Bauern eine feste materielle Grundlage und eine gesicherte Perspektive. Jeder Bauer kann sich schon am Anfang des Jahres ausrechnen, was er im laufenden Jahr an Einnahmen haben wird.

Urstmalig wird in diesem Jahr *-* für Schlachtvieh ein umfassendes System von Aufkaufverträgen mit allen Erzeugern eingeführt. Der Abschluß solcher Jahresaufkaufverträge bietet dem Produzenten bedeutende finanzielle Vorteile gegenüber dem, der keinen Aufkaufvertrag abgeschlossen hat. Besonders diese Maßnahme ist im engen Zusammenhang damit zu sehen, daß die bisher vom Staat festgelegten Viehhaltepläne gleichfalls am 1. Januar 1956 fortfallen; Die umfassende Anwendung ökonomischer Hebel wie die Preisgestaltung und die Ausnutzung ökonomischer Gesetze, vor allem des Wertgesetzes, erhalten damit zunehmende Bedeutung. Es liegt also im Interesse eines jeden Bauern, seine Viehbestände zu erhöhen, gleichzeitig zu verbessern und seinen voraussichtlichen gesamten freien Verkauf durch Aufkaufverträge mit den VEAB oder der Konsumgenossenschaft zu binden.

Höchste Erträge je Flächeneinheit — das ist das Ziel unserer Landwirtschaft. Dabei ist der Weg durch die Beschlüsse des 25. Plenums des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der IV. LPG-Konferenz und der wissenschaftlich - technischen Konferenz des Ministeriums für Land- ~-und Forstwirtschaft festgelegt, Von der Arbeit jedes einzelnen hängt es ab, wie schnell wir dieses Ziel erreichen.

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