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ORGAN DES ZENTRALKOMITEES DER SOZIALISTISCHEN EINHEITSPARTEI DEUTSCHLANDS
Berliner Ausgabe „Vorwärts"
11. (67.) Jahrgang / Nr. 146 / Einzelpreis 15 Pf
Berlin, Mittwoch, 20. Juni 1956
Handel mit Rumänien um 40 Prozent erhöht
Abkommen DDR—Rumänische Volksrepublik in Bukarest unterzeichnet
Bukarest (ADN). Ein Abkommen über gegenseitige Warenlieferungen zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Rumänischen Volksrepublik wurde am Sonnabend in Bukarest unterzeichnet. Im Rahmen dieses Abkommens liefert Rumänien an die DDR Bohrausrüstungen, Erze, Chemikalien, Erzeugnisse der Forstwirtschaft, landwirtschaftliche Erzeugnisse und andere Waren.
Die DDR liefert Rohstoffe für die Textilindustrie, chemische Grundstoffe, Düngemittel, Maschinen und Werkzeugmaschinen und anderes.
Das Volumen des Warenaustausches wird in diesem Jahr gegenüber 1955 um etwa 40 Prozent erhöht.
Die Verhandlungen zum Abschluß des Abkommens verliefen in freundschaftlicher Atmosphäre und trugen zur weiteren Zusammenarbeit beim Warenaustausch zwischen beiden Ländern bei.
Das Abkommen wurde von rumänischer Seite vom Minister für Außenhandel, Marcel Popescu, und für die DDR vom Stellvertreter des Ministers für Außenhandel und Innerdeutschen Handel, Erich Wächter, unterzeichnet,
Münchner Studio dreht Film über die UdSSR
Leningrad (ADN). Vertreter des Münchner Ateliers für Dokument tar-Colorfilm, darunter der Dreh-* buchautor Hans Kuntze-Just, sind am Montag in Leningrad eingetrof-* fen, um mit der Arbeit an einem abendfüllenden Farbfilm „Mit eige-. nen Augen gesehen — Rußland heute" zu beginnen. Die deutschen Filmschaffenden werden außer Leningrad auch Kiew, Odessa, Jaltaj Simferopol, Stalingrad, Jerewan und Moskau besuchen.
Mitte Juli wird die Ankunft einer weiteren Gruppe deutscher Kamera-* leute aus München erwartet. Sie werden zusammen mit sowjetischen Filmschaffenden, die in der Dokw* mentarfilm-Produktion beschäftigt sind, den genannten Film dreht fe
In Arbeiterhänden zu Riesen geworden
Im BKW Mücheln stieg die Abraumförderung in 10 Jahren um 700 Prozent an / Vom Detektorapparat zum Höhenförderer
\7or reichlich 10 Jahren hatte das * damalige Eisenwerk Johann Carl Müller in Dresden-Coswig nur etwa den 20. Teil der Tonnageleistung der heute volkseigenen Walzengießerei in Coswig. Kurt Zschimbang, 34 Jahre arbeitet er schon 'in diesem Betrieb, meint: „An diesen Erfolgen kann jeder ablesen, daß wir sehr gut ohne Kapitalisten auskommen." Allein im ersten Fünfjahrplan stellte die Regierung der Coswiger Walzengießerei 15,5 Millionen DM als Investitionsgelder für Haupt- und Nebenanlagen zur Verfügung. Eine moderne Gießerei, eine Putzern für schwere und schwerste Walzen, eine neue Dreherei, aber auch Waschräume und Kultursaal, Küche und Speisesaal entstanden mit diesem Geld. Aus dem ehemals unbedeutenden Eisenwerk Müller ist in 10 Jahren die moderne volkseigene Walzengießerei geworden.
Mit guten Wachstumserfolgen kann das volkseigene Braunkohlen-*
werk in Mücheln aufwarten. Seit Übernahme d'es Werkes in die Hände des Volkes ist die Förderleistung im Abraum um 700 Prozent und in der Grube um 140 Prozent gestiegen. Wenn der 64jährige Verdiente Bergmann Ernst Henning erzählt, erfährt man, daß gegenwärtig pro Schicht 100 Züge mit Kohle beladen die Grube verlassen, während es 1947 höchstens 28 waren. Die größte Bandanlage Europas steht im volkseigenen Braunkohlenwerk in Mücheln, und außer ihr erhielt das Werk in den letzten Jahren neue Bagger, neue E-Loks und auch eine bessere Gleisanlage. All das brachte dem Kumpel ständig mehr Lohn. Dazu ein kleiner Vergleich: Bei den Kapitalisten wurde ein Gleisarbeiter mit einem Stundenlohn von 59 Pfennig abgespeist. Heute verdient er im volkseigenen Betrieb durchschnittlich 2,27 DM in der Stunde. Anläßlich des bevorstehenden
„Tages des volkseigenen Bergbaues" verpflichteten sich die Arbeiter der Brikettfabriken im BKW Mücheln, bis zum 1. Juli 10 000 Tonnen Briketts über den Plan herzustellen.
Täglich verlassen viele Waggons mit großen blauen Fördergeräten den VEB Landmaschinenbau in Falkensee. Vor 10 Jahren waren es nur kleine Detektorapparate, Lautsprecher, Sperrkreise und Haarklemmen, die der Betrieb herstellte und auslieferte. Im Jahre 1955 konnte der Produktionsplan für Fördergeräte mit 109,1 Prozent erfüllt werden, und der Betrieb führte eine halbe Million DM überplanmäßigen Gewinn an den Staatshaushalt ab. Mit dem Betrieb wuchsen auch die Arbeiter. Aus dem Werkzeugmacher Bolz wurde ein Meister und Hauptmechaniker, und der ungelernte Arbeiter Schwabe ist heute Einrichter und Brigadier; Der ehemalige Lehrling Arno Wolf arbeitet jetzt als Technologe.
Zu einem Riesein ist auch die volkseigene Baumwollspinnerei Flöha in den letzten 10 Jahren herangewachsen. Fünf Zweigwerke gehören zum modernen Kombinat, das in den letzten Jahren um 240 000 neue Spindeln erweitert wurde. In der Zeit des ersten Fünfjahrplanes hat ßich die Produktionsleistung in diesem Kombinat verdoppelt.
Fünf Kindergärten, ein komfortables Wohnheim und in jedem Zweigwerk Kulturraum, Speiseraum, Ambulanzstation und Ruheraum gehören zum Kombinat.
Die Werktätigen unserer Republik haben allen Grund', den 10. Jahrestag der Gründung volkseigener Betriebe festlich zu begehen. Große Kulturveranstaltungen und internationale Sporttreffen, Festzüge durch die Straßen der Städte werden den 30. Juni, den Festtag der Werktätigen* würdig abschließen. (ADN/Eig; Ber.)
Ungarische Chemiker in der DDR
Berlin (Eig. Ber.). Am Montage abend trafen in Berlin die ersten 15 ungarischen Chemiker ein, die im Rahmen der gegenseitigen sozia^ listischen Wirtschaftshilfe bei der Entwicklung unserer chemischen Industrie helfen. Sie wurden vom Minister für Chemische Industrie, Prof. Dr. Winkler, und weiteren Mitarbeitern des Ministeriums sowie Vertretern von Partei und Ge-> werkschaft und den Werkleitern der größten chemischen Betriebe empfangen. Die ungarischen Freunde werden für drei bis fünf Jahre in der DDR weilen, um die Aufgaben der Kunstfaser-, Kumststoffund Stickstoffindustrie lösen zu helfen.
Dafür noch S Milliarden
Bonn (ADN). Rund fünf Milliarden D-Mark Besatzungskosten muß Westdeutschland im Laufe dieses Jahres noch zahlen. Dieses Eingeständnis hat der Bonner Finanzminister Schäffer dem CDU-Bundestagsabgeordneten Vogel in einem Schreiben gemacht. Wie AP hierzu am Dienstag meldet, haben sich die westlichen Besatzungsmächte vorbehalten, auch in den kommenden Jahren wieder Besatzungskosten zu verlangen.
Gesundheitsdelegation nach Albanien
Berlin (ADN). Eine Delegation des Ministeriums für Gesundheitswesen der DDR, der u. a. Professor Dr. E, F. Heeger, Direktor des Instituts für Sonderkulturen der Karl-Marx- Universität in Leipzig, angehört, hat eine mehrwöchige Studienreise nach der Volksrepublik Albanien angetreten. Die Hauptaufgabe der Delegation besteht darin, die Situation auf dem Arzneipflanzengebiet zu studieren.
Chinesische Juristen bei deutschen Kollegen
Berlin (ADN). Acht Juristen aus der Volksrepublik China, unter ihnen der Vizepräsident des Obersten Gerichts, Tschang Tsche-jang, weilten zehn Tage lang als Gäste des Ministeriums der Justiz in der Deutschen Demokratischen Republik. Während ihres Aufenthaltes führten sie Aussprachen mit Kollegen der DDR, besuchten Gerichte und Universitäten sowie mehrere Großbetriebe.
Sicherheitsrat tagt
New York (ADN), Der UNO- Sicherheitsrat tritt, wie in New York offiziell bekanntgegeben wurde, am Donnerstag zusammen, um den Antrag von 13 asiatischen und afrikanischen Staaten auf Behandlung der Lage in Algerien zu erörtern.
Empfang in der DDR-Ausstellung
Poznan (Eig. Ber.). Am Dienstag gab die Leitung der DDR-Ausstellung auf der Poznaner Messe einen Empfang für die internationale Presse, die Ausstellungsleiter und die Leiter der polnischen Außenhandelsgesellschaften. Der Handelsrat der DDR, Kirschner, begrüßte die Gäste und wies sie auf die Neuheiten der DDR-Kollektivschau hin. An dem Empfang nahmen u. a. von polnischer Seite der Präsident der Außenhandelskammer, Dr Gall, und von deutscher Seite der stellvertretende Präsident der Kammer für Außenhandel, Dr. Schmidt-Wittmack, teil;
Jemens Kronprinz nach Prag
Prag (ADN). Der Kronprinz, stellvertretende Ministerpräsident und Außenminister des Jemen, Emir Seif el Islam Mohammed el Badr, wird, wie die Prager Abendzeitung „Vecerni Praha" berichtet, in den nächsten Tagen zu einem Besuch in Prag eintreffen. Der jemenitische Staatsmann bereist gegenwärtig die Sowjetunion.
nichts
Genosse Tito erklärte in seiner Rede: „Wir sind glücklich, döß wir zusammen mit den sowjetischen Staatsmännern alle Streitfragen zwischen unseren Völkern begraben konnten. Es ist uns leicht geworden, eine gemeinsame Sprache und gegenseitiges Verständnis zu finden." Die unmittelbare Gefahr eines Krieges sei gegenwärtig gebannt. „Das ist vor allem den hartnäckigen Bemühungen der Führer der Sowjetunion und anderer Länder zu danken", sagte Tito.
Die Abrüstung sei die unerläßliche Voraussetzung für die Wiederherstellung des internationalen Ver-
Ensemble der Sowjetarmee nach London
Moskau (ADN). Das Gesangs- und Tanzensemble der Sowjetarmee ist unter Leitung des Volkskünstlers der RSFSR, Alexandrow, am Montag aus Moskau zu einem zweimonatigen Gastspiel nach London abgereist. Das Ensemble, dem 160 Künstler angehören, wird am 28. Juni in der britischen Hauptstadt seine erste Vorstellung geben.
Großkundgebung in Kairo
Nasser verkündet weitere Demokratisierung
Kairo-(ADN). Die Feierlichkeiten aus Anlaß des ägyptischen Nationalfeiertages und des Abzugs der letzten britischen Truppen' fanden am Dienstag ihren Höhepunkt in einer Massehkundgebung, wie sie Ägypten noch nicht erlebt hat. Mehr als hunderttausend Menschen hatten sich auf dem: Platz der Republik in Kairo versammelt, um eine Rede von Ministerpräsident Nasser zu hören.
Nasser teilte mit, daß ab sofort in Ägypten der Ausnahmezustand aufgehoben ist, der fast ununterbrochen seit 1923 bestand. Die Regierung habe beschlossen, ab Mittwoch die Pressezensur aufzuheben; Weiter kündigte er die Durchführung einer Bodenreform, die Schaffung einer starken nationalen Armee und die Errichtung einer sauberen und gesunden Demokratie in Ägypten an.
80000 Moskauer im Dynamo-Stadion
Tito über die Deutschlandfrage
Chruschtschow: Freundschaftliche Beziehungen wurden gefestigt
Von unserem Moskauer Korrespondenten Heinz Stern
Moskau. Gestern abend hatten sich 80 000 Moskauer zu einer Großkundgebung im Dynamo-Stadion eingefunden, auf der der Erste Sekretär des ZK der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow, und der Generalsekretär des Bundes der Kommunisten Jugoslawiens, Jozef Broz- Tito, die Bilanz der soeben beendeten sowjetisch-jugoslawischen Verhandlungen zogen. Chruschtschow kündigte die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung an. Er teilte mit, daß bei den Verhandlungen Übereinstimmung erzielt worden sei.
Genosse Chruschtschow verwies darauf, daß beide Länder nicht nur auf wirtschaftlichem, politischem und kulturellem Gebiet zusammenarbeiten müßten, sondern daß eine gleiche Zusammenarbeit auch zwischen den beiden kommunistischen Parteien notwendig sei. Die Festigung der sowjetisch-jugoslawischen Freundschaft solle nicht die Beziehungen Jugoslawiens zu anderen Ländern trüben.
Der Erste Sekretär der KPdSU erklärte, daß die Feinde des Friedens und des Sozialismus große Hoffnungen auf den Konflikt zwischen der Sowjetunion und Jugoslawien gesetzt hätten. Sie seien bemüht gewesen, die Feindschaft zwischen beiden Völkern zu schüren, ja, sie hätten sogar danach gestrebt, auch die Beziehungen anderer sozialistischer Länder zur Sowjetunion zu vergiften. Aber, so fuhr Chruschtschow fort, „sie verstehen die Gesetze der Geschichte
trauens. Es sei nicht zweckmäßig, die Abrüstung von der vorherigen Lösung anderer Probleme — etwa von der deutschen Frage oder der europäischen Sicherheit — abhängig zu machen.
„Was die deutsche Frage anbetrifft", betonte der jugoslawische Präsident, „so ist über diese Frage bisher ohne Teilnahme des deutschen Volkes verhandelt worden. Das ist wahrscheinlich der Grund für die Mißerfolge dieser Verhandlungen. Das deutsche Volk hat in erster Linie ein Recht, seine Meinung über diese Frage zu sagen. Bei der Wiedervereinigung Deutschlands muß man von der vollen Realität ausgehen. Diese besteht darin, daß es zwei Staaten in Deutschland gibt: Westdeutschland umd Ostdeutschland. Es wäre ein Fehler, das nicht zu beachten. Ebenso ist es ein Fehler, nicht zu sehen, daß die soziale, politische und kulturelle Entwicklung in Ostdeutschland anders verlaufen ist als in Westdeutschland und daß Ostdeutschland heute einen selbständigen Organismus darstellt" (Siehe auch Seite 4.)
Auch USA nahmen an
Bonn (ADN/Eig. Ber.). Nachdem Großbritannien und Frankreich bereits am Montag die Einladung zur Teilnahme an den Verabschiedungsfeierlichkeiten von Angehörigen aufgelöster sowjetischer Einheiten in der DDR zustimmend beantworteten, haben nunmehr auch die USA — wie AP aus der amerikanischen Botschaft in Bonn meldet — die Einladung angenommen.
Zur Nachahmung empfohlen
Tl/Tan stelle sich vor, daß heute -"-*• und in den nächsten Tagen überall in Deutschland die Abschiedsfeste gefeiert würden, daß nicht nur sowjetische Truppen, sondern auch amerikanische, britische, französische, belgische und kanadische Kontingente in ihre Heimat zurückkehren würden.
Nichts könnte besser die Liquidierung der Folgen des zweiten Weltkrieges dokumentieren, als der Abzug der ausländischen Truppen, die doch ursprünglich zur Erreichung eines definitiven Zieles — die Zerschlagung des Nazisystems — in Deutschland eingerückt waren. Mehr als elf Jahre sind seitdem vergangen, und die westlichen Armeen treffen immer noch keinerlei Anstalten, den ihnen nicht gehörenden Boden Deutschlands zu verlassen. Die Amerikaner haben ihre Kontingente in der letzten Zeit sogar noch um 35 000 Mann verstärkt,
Daran wird man denken müssen, wenn in Brandenburg, Magdeburg, Weimar und an anderen Orten der Deutschen Demokratischen Republik wiederum 33 500 sowjetische Soldaten die Züge besteigen, um in ihre Heimat zu fahren, nachdem im vorigen Jahr bereits mehr als 20 000 Mann abgezogen worden sind.
•
Tm Verlauf der letzten Jahre hat •*- die Sowjetregierung wiederholt den Vorschlag gemacht, alle ausländischen Truppen aus Deutschland zurückzuziehen oder doch als Erstmaßnahme eine bedeutende Verringerung ihres Bestandes vorzunehmen. Obwohl die Westmächte bisher keinerlei Bereitschaft zeigen, auf diesen Vorschlag ernsthaft einzugehen, führt die Sowjetregierung eine weitere Verringerung ihrer auf deutschem Boden stehenden Streitkräfte durch.
Die in ihre Heimat zurückkehrenden sowjetischen Soldaten scheiden als Freunde. Ihre Regierung verfolgt seit dem Zusammenbruch des Naziregimes eine Politik, die der Sicherung des Friedens dient und die es dem ganzen deutschen Volke ermöglichen sollte, hierzu beizutragen. Auch die jetzt sich vollziehende Zurückziehung sowjetischer Truppen ist ein Beitrag zur Minderung internationaler Spannungen und damit zur Festigung des Friedens.
Von dieser allgemein-politischen Bedeutung abgesehen, erwachsen der Bevölkerung der Deutschen Demokratischen Republik aus diesem Schritt der Sowjetregierung unmittelbar bedeutende Vorteile, Nach Mitteilungen des Oberkommandierenden der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland werden Wohn- und Dienstgebäude mit einer Gesamtfläche von 350 000 qm frei, die jetzt für die Bedürfnisse unserer Werktätigen zur Verfügung stehen. Die von der Regierung der DDR für die Unterhaltung der sowjetischen Truppen bereitgestellten Mittel werden weiter vermindert, wie Marschall der Sowjetunion, A. A. Gretschko, noch mitteilte. Auch diese Mittel stehen jetzt für unseren Aufbau zur Verfügung.
r\ amit vergleiche man die in West- ■*-' deutschland herrschende Willkür der Besatzungsmächte, die mit der Vertreibung von Bauern verbundene Beschlagnahme von Ackerland für Flugplätze, die jeder Gesetzlichkeit hohnsprechenden Gewaltmaßnahmen, denen westdeutsche Bürger ausgesetzt sind, die da geglaubt haben, daß zusammen mit der angeblichen Wiedererlangung der Souveränität auch die willkürliche Beschlagnahme von Wohnungen aufhören würde,
Während die für die Unterhaltung der sowjetischen Truppen bereitgestellten Mittel in den letzten Jahren ständig vermindert wurden und auch jetzt wiederum verringert werden, bestehen die westlichen Besatzungsmächte auf die Zahlung immer größerer Summen. Sie scheuen sich nicht einmal, ihre eigene unterschriftliche Verpflichtung, von Mitte dieses Jahres an selber die Kosten zu tragen, einfach zu brechen und jetzt von der Bonner Regierung die Weiterzahlung der vollen Besatzungskosten zu fordern.
„Jetzt lassen die Alliierten plötzlich die Katze aus dem uns vorgehaltenen leeren Sack und verlangen weitere Milliarden auch über das laufende Haushaltsjahr hinaus. Eine bloße Abschlagszahlung, die rechtlich überhaupt keine Grundlage hat, wollen sie in eine Rente für die Lebensdauer der NATO, für die erst recht keine juristische Grundlage besteht, gewandelt wissen", schrieb die
„Mittelbayrische Zeitung", Regensburg, dieser Tage.
Das „Schwäbische Tageblatt", Tübingen, aber setzte das Tüpfelchen aufs i mit der Bemerkung: „Man muß sich fragen, was das für eine Partherschaft ist, in der drei Partner vom vierten, dem schwächsten, dafür, daß sie sein Land als Aufmarsch- und Übungsplatz in Beschlag genommen haben, noch eine Rente kassieren wollen?"
Oier liegt der entscheidende -*--"- Unterschied. Die sowjetischen Truppen befanden und befinden sich auf deutschem Boden in Ausübung einer sich aus dem zweiten Weltkrieg ergebenden Aufgabe. Die westlichen Besatzungstruppen aber betrachten Westdeutschland als den Aufmarsch- und Übungsplatz für einen dritten Weltkrieg. Zur Festigung des Friedens strebt die Sowjetregierung die Räumung Deutschlands von allen ausländischen Truppen an. Die westlichen Besatzungsmächte haben eine ihnen total hörige Regierung veranlaßt, der Besetzung Westdeutschlands bis ins nächste Jahrtausend hinein sogar vertraglich zuzustimmen.
In seinem Schreiben an den Bonner Kanzler hat N. A. Bulganin darauf hingewiesen, daß es sehr viel auch zur Lösung des Problems der Wiedervereinigung Deutschlands beitragen würde, wenn auch die Westmächte Maßnahmen zur Verringerung ihrer auf deutschem Boden stehenden Streitkräfte treffen würden. In dem an Eisenhower gerichteten Schreiben schlägt N. A. Bulganin ein Viermächteabkommen über „eine bedeutende Verringerung der ausländischen Streitkräfte in Deutschland oder über den Abzug der ausländischen Streitkräfte aus Deutschland" vor.
Dieser Vorschlag entspricht voll und ganz dem Wunsche der Bevölkerung Westdeutschlands, die dazu verurteilt ist, auf einem Vulkan des atomaren Krieges zu leben und für dieses zweifelhafte Vergnügen auch noch bezahlen muß.
Je geringer die Stärke der auf deutschem Boden stehenden ausländischen und deutschen Truppen ist, desto größer die Aussichten für die Erhaltung und Festigung des Friedens — in dieser kurzen Formel haben sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete treffend zum Ausdruck gebracht, worum es in dieser Frage eigentlich geht.
*
TMe Festigung des Friedens aber ■*-' ist gleichzeitig identisch mit tatsächlicher Wiedervereinigungspolitik, wie umgekehrt die Spaltung Deutschlands das Ergebnis der von den Westmächten auf deutschem Boden betriebenen Vorbereitung eines dritten Weltkrieges war und ist.
Auch aus Gründen der deutschen Innenpolitik gewinnt die Frage der Besatzungstruppen immer größere Bedeutung. Zusammen mit Besatzungspolitikern, deren prominentester der Bonner Kanzler ist, gibt es jetzt in Westdeutschland bereits von den ausländischen Militärs ausgehaltene Besatzungsparteien, wie aus den Eingeständnissen von August-Martin. Euler hervorgeht, der selber eine Million aus diesen trüben Quellen empfangen hat
Auch die in der Adenauer- Schmeißer-Affäre enthüllte landesverräterische Korruption wäre undenkbar gewesen ohne die ständige Einmischung der westlichen Besatzungsmächte in das innerpolitische Leben. Diese Einmischung begann mit der Verhinderung von Maßnahmen gegen die Nazimonopolisten durch die Amerikaner, und die Remilitarisierung Westdeutschlands ist ihre verderblichste Frucht.
In Westdeutschland hat sich ein Regime von Besatzungsinteressenten herausgebildet, von Leuten, die schon ihrer schmutzigen Geschäfte wegen daran interessiert sind, daß der gegenwärtige Zustand bis ins nächste Jahrtausend dauert.
Doch die Freiheit von ausländischer Besatzung gehört zu den Grundfreiheiten eines jeden Volkes, auch der Deutschen im Westen unseres Vaterlandes. Sie werden in diesen Tagen im Geiste mit dabeisein, wenn in Brandenburg, Magdeburg, Weimar und an anderen Orten sowjetische Soldaten in ihre Heimat zurückkehren.
Den westlichen Besatzungsmächten aber werden sie immer vernehmbarer und dringender das von der Sowjetregierung gegebene Beispiel zur schleunigen Nachahmung empfehlen und dabei der vollen Sympathie und Unterstützung seitens der Werktätigen in der DDR sicher sein.
fei u r
„Avanti"
Grotewohls
Otto
Interview
Truppenabzug und keine WehrpSlidit
Vorschläge Bulganins und Forderungen der DDR fördern die Wiedervereinigung / Noch immer keine Antwort der Bonner Regierung / Adenauer widersetzt sich der deutschen Einheit
Berlin (Eig. Ber.). Die heute beginnende erneute Verringerung der in der DDR stationierten sowjetischen Streitkräfte um rund 33 500 Mann und die Verwirklichung der Vorschläge der DDR, in beiden deutschen Staaten auf die Einführung der Wehrpflicht zu verzichten und die Streitkräfte zu begrenzen, wären wichtige erste Schritte zur deutschen Wiedervereinigung. Dies erklärte Ministerpräsident Otto Grotewohl in einem gestern in Rom veröffentlichten Interview mit dem Berliner Vertreter der italienischen Zeitung „Avanti". Die Abrüstung, sagte Genosse Grotewohl, würde
unzweifelhaft die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands erleichtern. Dagegen würden durch die Einführung der Wehrpflicht und den Aufbau eines westdeutschen 500 000-Mann-Heeres neue Barrieren gegen die Wiedervereinigung entstehen. Eine positive Antwort Adenauers auf die Vorschläge Bulganins zur Verringerung bzw. zum völligen Abzug der ausländischen Truppen aus Deutschland würde die Beteuerungen der Bonner Regierung, daß sie die Wiedervereinigung anstrebt, glaubhafter erscheinen lassen, als die Haltung, die sie gegenwärtig an den Tag legt.
Das von Ministerpräsident Otto Grotewohl dem „Avanti" gewährte Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Meinen Sie, Herr Ministerpräsident, daß die Abrüstung eine der entscheidenden Vorbedingungen für die deutsche Wiedervereinigung sein kann?
Antwort: Die Abrüstung würde unzweifelhaft die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands erleichtern. Eine Abrüstungsregelung, die beide deutsche Staaten einbezieht, würde die Gefahr der Wiederherstellung des Militarismus in Westdeutschland beträchtlich vermindern und damit ein Hindernis beseitigen, das der Errichtung eines einheitlichen und friedlichen Deutschlands im Wege steht.
Frage: Auf welcher Grundlage könnten sich nach Ihrer Meinung€ die Kontakte zwischen den beiden' deutschen Staaten entwickeln, uni die Wiedervereinigung Deutschlands in angemessener Zeit günstig zu beeinflussen?
Antwort: Die Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten sollten auf der Grundlage des Strebens nach einem friedliebenden, unabhängigen und demokratischen Deutschland entwickelt werden.
Bekanntlich versucht die Regierung der Bundesrepublik, das Bestehen der DDR zu ignorieren. Deswegen lehnte sie bisher alle Vorschläge ab, die von der DDR im Interesse der Annäherung und
friedlichen Wiedervereinigung gemacht wurden. Dabei steht für jeden real denkenden Menschen fest, daß die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands die Annäherung beider deutscher Staaten voraussetzt.
Die Regierung der DDR erklärte erst kürzlich vor der Volkskammer, daß die Organe der DDR jederzeit
(Fortsetzung auf Seite 2)
Hilferufe gegen Besatzerterror
Westdeutsche Länder intervenieren wegen wachsender Unsicherheit
Taxis mit Tränengasanlage
Zur Selbsthilfe schreiten in Westdeutschland die Taxifahrer angesichts der nicht abreißenden Kette von Besatzerüberfällen auf Taxichauffeure: In Düsseldorf werden in Taxis Tränengasanlagen eingebaut, weil sie sich anders dem Gangsterunwesen der Besatzer nicht erwehren können. Seit Anfang 1955 wurden über 500 Taxiüberfälle von Besatzern verübt. Zehn Taxifahrer wurden dabei getötet, 196 schwer verletzt Foto: Zentralbni
Stuttgart (ADN). Die Erregung in der westdeutschen Bevölkerung über die Ausschreitungen von Besatzungssoldaten hat den CDU-
Ministerpräsidenten von Baden- Württemberg, Gebhard Müller, am Dienstag zu der Forderung an Außenminister von Brentano veranlaßt, bei den Besatzungsmächten wegen der sich häufenden Überfälle zu intervenieren. Auf einer Pressekonferenz erklärte Müller, auch aus anderen westdeutschen Ländern würden sich die Klagen über Besatzerübergriffe häufen. Die Landplage hat schon so große Kreise gezogen, daß sich der badenwürttembergische Landtag und die Regierung in einer der nächsten Sitzungen ausführlich mit den Überfällen von Besatzungssoldaten auf deutsche Frauen befassen müssen, da Landtagsabgeordnete die Regierung in einer Anfrage um Auskunft ersucht haben, welche Schritte sie zur Herstellung der Sicherheit der Zivilbevölkerung unternehmen will. In der Anfrage wird besonders Bezug genommen auf Morde in Wertheim und Breisach sowie Überfälle in verschiedenen Städten Baden-Württembergs, an denen in der Mehrzahl amerikanische Besatzungssoldaten beteiligt waren.
Unter der Überschrift „Demonstration gegen die Unterwelt" schreibt das in Dortmund erscheinende „Westdeutsche Tageblatt": „Daß ein deutscher Bürgermeister in der amerikanischen Zone sich weigert, künftig noch Einladungen von den amerikanischen Streitkräften anzunehmen,
ist gewiß ungewöhnlich. Läßt er es am guten Ton, am selbstverständlichen Takt fehlen? Keineswegs. Seine Ablehnung ist nämlich nichts anderes, als ein aus der Not geborener Protest gegen Raubmörder, Banditen und Frauenschänder, die ihr Unwesen in amerikanischen Uniformen treiben. Vergeht doch kaum ein Tag, an dem die Zeitungen nicht von Mord, Totschlag, Vergewaltigung, von Überfällen auf friedliche Zivilisten durch amerikanische Gangster in Uniform zu berichten haben. Auf westdeutscher Seite fühlt sich offenbar nicht eine einzige Stelle verantwortlich für den Schutz der deutschen Bevölkerung vor Auswüchsen, die immer schlimmeren Unterweltscharakter annehmen."
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