2. August

Fehler in Artikel melden

Bitte beschreiben Sie kurz, welchen Fehler Sie im Artikel gefunden haben.

Absender

Bitte alle mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.

25.08.1986 / Seite 1 / Sport

Die Antwort Michail Gorbatschows

Die Antwort Michail Gorbatschows hat folgenden Wortlaut:

Verehrte Herren!

Ich möchte mich bei Ihnen für die Botschaft vom 7. August 1988 bedanken, in der Sie mit einer neuen konkreten Initiative hervortreten, die darauf gerichtet ist, die Lösung der Schlüsselfrage bei der, Verringerung des Risikos eines Kernwaffenkrieges — die Einstellung der Kernwaffentests — über den toten Punkt hinwegzubringen.

Wir stimmen voll und ganz der in Ihrer Deklaration geäußerten Überzeugung zu, daß die Verantwortung für den Schutz unseres Planeten alle Völker tragen, die auf ihm leben. Die Aufgabe, die menschliche Zivilisation zu erhalten und sie nicht im Feuer einer nuklearen Katastrophe untergehen zu lassen, ist in der Tat gemeinsame Sache aller Staaten, aller Völker. Denn ein Kernwaffenkrieg, bräche er aus, würde alle und jeden einzelnen treffen.

Wir teilen Ihre Einschätzung jener unheildrohenden Folgen, efte der Einsatz selbst eines geringen Teils der in der Welt vorhandenen nuklearen Arsenale haben kann. Der Prozeß ihrer Perfektionierung und weiteren Aufstockung wird fortgesetzt, wozu die Kernwaffenexperimente dienen. Ebendeshalb gibt es gegenwärtig keine dringlichere und wichtigere Aufgabe als die Beendigung aller Nukleartests. Diese Maßnahme würde wirklich helfen, das qualitative und quantitative Anwachsen der nuklearen Arsenale zu stoppen. Mit dieser Maßnahme leiten wir den Gang der Dinge in eine Richtung, die zu einer kernwaffenfreien Welt führt.

Für die Einstellung der Tests gibt es keine weiteren Hindernisse außer der Position einiger Mächte, die selbstmörderisch auf die nuklearen Muskeln setzen. Die Interessen der Erhaltung der menschlichen Zivilisation im nuklear-kosmischen Zeitalter erfordern nachdrücklich ein neues politisches Denken. Eine Grundlage dafür muß die Anerkennung der Tatsache werden, daß die Aufstockung der nuklearen Arsenale die Sicherheit nicht nur nicht erhöhen, sondern im Gegenteil zu einer „Null"-Sicherheit, also zu einer totalen Selbstvernichtung, führen kann.

Geleitet vom Verantwortungsgefühl für die Geschicke der Menschheit, beschlossen wir ein einseitiges Moratorium für die nuklearen Explosionen. Und jetzt, da es schon ein Jahr in Kraft ist, hat die sowjetische Führung entschieden, es ein weiteres Mal, bis Anfang 1987, zu verlängern. Ich möchte unterstreichen, daß uns das nicht leichtgefallen ist. Denn Sie wissen, daß die USA die nuklearen Explosionen trotz unseres Moratoriums nicht einstellen und folglich auf dem Weg der Aufstockung der nuklearen Arsenale weitergehen. Trotzdem sind wir der Ansicht, daß unser einseitiges Vorgehen begründet ist, da es zur -Lösung des Problems der Nuklearversuche und zur Befreiung der Menschheit von der nuklearen Gefahr beitragen soll. Wir unternehmen diesen Schritt in dem Glauben, daß die Menschen in allen Ländern die lange währende Stille auf den nuklearen Versuchsgeländen der Sowjetunion richtig bewerten.

Ich bin zutiefst überzeugt: Wenn sich die USA dem sowjetischen Moratorium anschlössen — und die von uns vorgenommene Verlängerung des Moratoriums bietet ihnen eine zusätzliche Chance dazu —, wäre ein ernsthafter und verantwortungsvoller Schritt zur Einstellung der Perfektionierung der verheerendsten Waffe und der Aufstockung ihrer Bestände getan.

Ein solches zweiseitiges Moratorium würde zweifellos dazu beitragen, die Kernwaffentests auch vertraglich zu verbieten. Die Kontrollmaßnahmen, die man zur Überprüfung der Einhaltung des Moratoriums ausarbeiten würde, könnten, wie Sie zu Recht feststellen, ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Schaffung eines Systems zur Überprüfung der Einhaltung eines Vertrages über das vollständige Verbot der Tests sein. Auch in allgemeinpolitischer Hinsicht würde das Moratorium gute Voraussetzungen für den Abschluß eines solchen Vertrages schaffen.

Nach unserer Ansicht müssen sich die Ende Juli in Genf begonnenen sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen an diesem Ziel orientieren. Die Abrüstungskonferenz kann zu einem wichtigen Forum für multilaterale Verhandlungen zu diesem Problem werden, w.enn man die künstlichen Schranken beseitigt, die ihre wirksame Tätigkeit zur Vorbereitung eines Vertragsentwurfes behindern, der die Durchführung aller Versuchsexplosibnen verbieten würde.

Nach unserer Ansicht hat die Organisation der Vereinten Nationen, in der die Frage der Einstellung der Kernwaffenversuche seit mehr als drei Jahrzehnten diskutiert wird, ihre Möglichkeiten für deren Lösung noch nicht ausgeschöpft. Diese Möglichkeiten müssen aktiver genutzt werden.

Nach' unserer Ansicht sollten die Anstrengungen auf diesem Gebiet in alle Richtungen gehen. Die einen Verhandlungen dürfen die anderen nicht ausschließen oder ersetzen, sondern müssen sie vielmehr ergänzen. Davon ausgehend denke ich, daß das von Ihnen vorgeschlagene Treffen von Experten der sechs Länder unter Mitwirkung von sowjetischen und amerikanischen Experten einen wertvollen Beitrag dazu leisten könnte, das Ziel — ein umfassendes Verbot der Kernwaffenversuche — zu erreichen und den Grundstein für einen aktiven sachlichen multilateralen Dialog zu diesen Fragen zu legen. Wir sind bereit, unsere Experten zu einem solchen Treffen zu entsenden.

Die Sowjetunion hat sich schon bereit erklärt, von Ihrem Vorschlag über Hilfe bei der Überprüfung der Einstellung der Nukleartests, einschließlich der Inspektionen vor Ort, Gebrauch zu machen, selbstverständlich, wenn er auch von der anderen Seite akzeptiert wird. Es wäre natürlich nützlich, Ihre neuen Vorschläge gemeinsam zu erörtern und nach gegenseitig annehmbaren Lösungen für das Problem der Kontrolle über die Nichtdurchführung von Nukleartests zu suchen.

Wie aus der von Ihnen angenommenen „Deklaration von Mexiko" ersichtlich ist, schätzen Sie und wir die ernsten Folgen, die die Verwandlung des Weltraums in einen neuen Bereich des Wettrüstens in sich bergen würde, gleich ein. Wir sind ebenso wie Sie davon überzeugt, daß der Weltraum nur zu friedlichen Zwecken und im Interesse der ganzen Menschheit genutzt werden darf. Eben davon geht die von unserem Land kürzlich unterbreitete Initiative aus, die die Entwicklung einer internationalen Zusammenarbeit bei der Verhinderung eines Wettrüstens im Weltraum und bei dessen friedlicher Nutzung vorsieht. Konkrete Vorschläge zur Verhinderung der Verwandlung des Weltraums in einen Schauplatz des militärischen Wettlaufs haben wir bei den sowjetisch-amerikanischen Verhandlungen über nukleare und Weltraumwaffen eingebracht.

Wir sind für die Festigung des Regimes des Vertrages über die Begrenzung der Raketenabwehrsysteme, der unter den gegenwärtigen Bedingungen das Fundament der strategischen Stabilität ist, und für die vollständige und strikte Einhaltung aller Festlegungen dieses unbefristeten Dokuments. Von großer Bedeutung ist nach unserer Ansicht die schnellstmögliche Herbeiführung einer Übereinkunft zwischen der UdSSR und den USA über das

(Fortsetzung auf Seite 2)

Seite
Die Antwort Michail Gorbatschows Wachsende Leistungen in Wissenschaft und Technik Die Botschaft der sechs Staatsmänner Sieben WM-Titel für die DDR Vorbereitungswoche zum Schuljahr 1986/87 beginnt Zehntausende Besucher am Wochenende auf der iga 86 Starke Messebeteiligung von Ländern aus Übersee Start in Berlin zum 27« Heranriefest 300000 Moskauer: Schluß mit Tests! Atomteststopp hat Priorität Massenverhaftung bei Protestaktion gegen Pinochet Margaret Thatcher nahm sowjetische Einladung an
Jahrgänge durchstöbern
1946 | 1947 | 1948 | 1949 | 1950 | 1951 | 1952 | 1953 | 1954 | 1955 | 1956 | 1957 | 1958 | 1959 | 1960 | 1961 | 1962 | 1963 | 1964 | 1965 | 1966 | 1967 | 1968 | 1969 | 1970 | 1971 | 1972 | 1973 | 1974 | 1975 | 1976 | 1977 | 1978 | 1979 | 1980 | 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990
Tagesausgabe wählen