Berlin (ND). In Stadt und Land machten seit den frühen Morgenstunden Bürger aller Klassen und Schichten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Bis 12 Uhr hatten - nach Mitteilung' der Wahlkommission der Republik — bereits 97,6 Prozent der Wahlberechtigten ihr Votum abgegeben. Um 15 Uhr waren es 99,3 Prozent. In, freier, allgemeiner, gleicher und geheimer Wahl entschieden die Wahlberechtigten über die 703 Kandidaten für die Volkskammer und über die 4303 Kandidaten für die Stadtverordnetenversammlung von Berlin und für die 14 Bezirkstage.
Als die mehr als 22 000 Wahllokale in den festlich geschmückten Städten und Gemeinden um 7 Uhr öffneten, wurden die ersten Wähler nach gutem Brauch herzlich mit Blumen begrüßt. Vielerorts empfingen Singeklubs der FDJ, Chöre junger Pioniere, Blasorchester und Schalmeiengrüppen die Bürger, fanden Volksfeste statt. Die über 220 000 Mitglieder der Wahlvprstände - Mitglieder aller in der Nationalen Front vereinten Parteien und Massenorganisationen und parteilose Bürger — waren zuvor von den Vorsitzenden dieser demokratischen Gremien, die nach dem Wahlgesetz die Wahlhandlung leiten, auf ihr ehrenvolles Amt verpflichtet worden.
Arbeiter und Genossenschaftsbauern gingen mit erfüllten Verpflichtungen und neuen Vorhaben zur Wahl. Die 5000 Beschäftigten des Betriebes für optischen Präzisionsgerätebau im Kombinat Carl Zeiss Jena, die Ende Mai Erich Honecker zu Gesprächen an ihren Arbeitsplätzen begrüßt hatten, erreichten in der Nettoproduktion ein Plus von viereinhalb Millionen Mark. Werktätige der Harlaß-Gießerei Wittgensdorf, der Büromaschinenwerke Sömmerda und des Kombinats Mikroelektronik Erfurt erklärten, daß das Auftreten Erich Honeckers und die vertrauensvollen Begegnungen mit ihm ihre Kollektive zu höheren1 Leistungen beflügelt haben.
Insgesamt 7261 Personalcomputer, davon mehr als 2530 zusätzlich, liefen bis zum Sonntag von den Montagelinien des Robotron Büromaschinenwerkes „Ernst Thälmann" Sömmerda.
In den Berliner Stadtbezirken Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen, in weiteren Neubaugebieten wie auf dem Sonnenberg in Karl-Marx-Stadt, wo vor wenigen Tagen die 2,5millionste seit 1971 in der DDR gebaute beziehungsweise modernisierte Wohnung an die Arbeiterfamilie Münch übergeben wurde, gingen Hausgemeinschaften gemeinsam zu den Wahllokalen.
Manuela Bossow aus Wittenberge, die zu den 510 000 Erstwählern gehört, feierte am 8. Juni ihren 18. Geburtstag. Die Schwesternschülerin-betonte: „Es ist ein beglückendes Gefühl, Menschen das Vertrauen auszusprechen, denen die Förderung der Jugend so am Herzen liegt."
In den Pfeifferschen Stiftungen Magdeburg der evangelischen Kirche gaben diakonische Schwestern unmittelbar nach dem Gottesdienst ihre Stimme ab. Die 26jährige Schwester Johanna Steinke begründete ihr Votum für die Politik zum Wohle des Volkes und des Friedens mit der großen Unterstützung des Staates für die Kranken- und Altenpflege. Die verantwortungsvolle Arbeit der Schwestern, sagte sie, finde hohe gesellschaftliche Anerkennung.
Um 18 Uhr schlössen die Wahllokale. Unmittelbar danach begannen die Wahlvorstände mit der öffentlichen Auszählung der Stimmen. Tausende Bürger machten von ihrem Recht Gebrauch, dabeizusein.
Im Internationalen Pressezentrum in Berlin informierten Werner Kirchhoff, Vizepräsident des Nationalrates, sowie weitere Mitglieder der Wahlkommission der Republik Vertreter der in- und ausländischen Presse über Vorbereitung und Verlauf der Wahlen und beantworteten Fragen.
Ausführliche Berichte Seiten 2 und 3
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