Redaktion und Verlag Franz-Mthnng- Platz 1, Berlin, 1017, Ttlefon: 9150 (Sammelnummer). Abonnementspreis monatlich 3,50 Mark. ISSN 0323-4940
Donnerstag, 22. Mai 1986 41. Jahrgang /
B-Ausgabe Einzelpreis 15 Pf
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-w-^ Proletarier auerLonaer, vereinigt euch!
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ORGAN DES ZENTRALKOMITEES DER SOZIAUSTISCHEN EINHEITSPARTEI DEUTSCHLANDS
Zehn Millionen Portugiesen
Lissabon. 10 129 000 Menschen lebten Ende 1984 in Portugal, wurde jetzt in Lissabon mitgeteilt. Fast jeder vierte ist unter 15 Jahren.
Schwere Sturmschäden
Honlara. Die Regierung der südpazifischen Salomon-Inseln erklärte am Mittwoch die vom tropischen Wirbelsturm „Namu" verwüsteten Inseln zum Katastrophengebiet.
Crossroads in Flammen
Johannesburg. Im südafrikanischen Ghetto Crossroads provozierte Rassistenpolizei blutige Auseinandersetzungen, bei denen 18 Menschen starben. Tausende Hütten gingen in Flammen auf. Seite 5
39. FritxUnsfahrt:
Spurtsieg von Romanow Ludwig weiter in Gelb
Mlada Boleslav (ND). Mit einem Sieg von Iwan Romanow (UdSSR) endete am Mittwoch die 14. und vorletzte Etappe der Friedensfahrt von Plzen nach Mlada Boleslav über 181 km. Der sowjetische Fahrer verwies im Stadionspurt Roman Kreuziger und Anton Novosad (beide CSSR) auf die Plätze. Die Tagesbesten gehörten einer 26 Fahrer starken Spitzengruppe an, In der die UdSSR komplett und die DDR durch Uwe Raab, Dan Radtke, Uwe Ampler und Olaf Ludwig vertreten war. Ludwig behauptete als Neunter das Gelbe Trikot mit 4 s Vorsprung vor Wladimir Pulnikow (UdSSR). Die UdSSR-fMannschaft iährt auf der heutigen Schlußetappe von Mlada Boleslav nach Prag über 131 km in Blau. Siehe Seite 7
Schwertfisch-Wettangeln vor kubanischer Küste
Havanna (ADN). Ober 46 Kilogramm Gewicht brachte der von Raul Gonzalez beim 24. Nationalen Ernest-Hemi^gway-Turnier im Schwertfischangeln von Cojimar bei Havanna gefangene Fisch auf die Waage. Fast drei Stunden hatte der Kampf -mit dem rund zwei Meter langen Sieger-Exemplar gedauert. Die erfolgreichste Bootsbesatzung zog drei der in allen Meeren beheimateten räuberischen Schwertfische mit einem Gesamtgewicht von etwa 65 Kilogramm an Bord.
Das dreitägige Turnier wird alljährlich im Andenken an den Schriftsteller und leidenschaftlichen Angler Ernest Hemingway ausgetragen, der in seinem Roman „Der alte Mann und das Meer" den Kampf eines kubanischen Fischers mit einem Schwertfisch schilderte.
In Antarktisstafionen beginnt Winterbetrieb
Moskau (ND-Korr.). Das Flaggschiff der sowjetischen Antarktisflotte, die „Michail Somow",' lichtete auf der Reede nahe der Station „Bellingshausen" die Anker und nahm Heimatkurs auf. Damit konnte die Versorgung der Forschungslaboratorien mit Lebensmitteln, Brennstoffen und wissenschaftlichen Geräten erfolgreich vor Einbruch des Winters abgeschlossen werden. Auf dem Eiskontinent werden 330 Wissenschaftler und Techniker die kalte Jahreszeit verbringen, darunter eine Gruppe von Forschern aus der DDR.
Im vergangenen Jahr war die „Somow" am Ende des antarktischen Sommers in schweren Sturm geraten und vom Eis blockiert worden. Nach monatelanger Drift konnte sie durch den Eisbrecher „Wladiwostok" befreit werden.
Kooperation mit österreichischer Industrie beraten
Günther Wyschofsky sprach mit Wirtsehaftsminister Lacina
Wien (ADN). Konkrete Schritte der weiteren Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Außenhandelsbetrieben und Kombinaten der DDR und Unternehmen der verstaatlichten Industrie Österreichs berieten am Dienstag in Wien der Minister für Chemische Industrie der DDR, Dr. Günther Wyschofsky, und der österreichische Bundesminister für öffentliche Wirtschaft und Verkehr, Ferdinand Lacina. An der Unterredung nahm der Geschäftsträger der DDR a. i., Hans Schwanitz, teil. Minister Wyschofsky wird von Generaldirektoren des Außenhandels und der chemischen Industrie der DDR begleitet.
Kurw berichte f
Mittelamerika-Lage beraten
Moskau. Die Lage in der mittelamerikanischen Region stand im Zentrum eines Treffens von Experten aus der UdSSR und den USA am Mittwoch in Moskau. Seite 5
Vorschlag über Bildung einer von chemischen Waffen freien Zone in Europa überreicht
DDR-Äußenminister empfing Leiter der BRD-Vertretung
Berlin (ADN). Der Minister für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, Oskar Fischer, empfing am Mittwoch den Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in der DDR, Dr. Hans Otto Bräutigam. Unter Bezug auf die Initiative des Generalsekretärs des ZK der SED und Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, an Bundeskanzler Helmut Kohl, direkte Gespräche zwischen den Regierungen der DDR, der CSSR und der BRD über die Bildung einer chemiewaffenfreien Zone in Europa aufzunehmen, übergab Oskar Fischer einen Vorschlag über „Prinzipien und Hauptrichtungen künftiger Verhandlungen der Deutschen Demokratischen Republik, der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland über die Bildung einer von chemischen Waffen freien Zone in Europa "r Er bekräftigte zugleich die Bereitschaft der Deutschen Demokratischen Republik zu unverzüglichen direkten Kontakten zwischen Regierungsvertretern der drei Staaten.
In dem Gespräch verwies Oskar Fischer auf die Gefahr einer weiteren Belastung der ohnehin angespannten und komplizierten internationalen Lage durch die in der NATO geplante Produktion und Einführung modernisierter chemischer Massenvernichtungsmittel in Form der Binärwaffen. Die Verwirklichung dieses' Vorhabens würde eine neue Runde des Wettrüstens in diesem Bereich mit höchst gefährlichen Konsequenzen für den Gesamtkomplex der Abrüstungsverhandlungen, insbesondere aber die Verhandlungen über ein weltweites und umfassendes Verbot chemischer Waffen heraufbeschwören. Dies zu verhindern, trage die BRD eine besonders hohe Verantwortung.
Die DDR setze sich als Teilnehmerstaat der Genfer Abrüstungskonferenz mit Nachdruck für eine globale Lösung ein, arbeite gleichzeitig aber aiktiv für eine weniger komplizierte regionale Regelung dieses Problems. Mit ihrem Einsatz für eine C-waffenfreie Zone in Europa würden beide deutsche Staaten ihrer konkreten und gegenseitig- anerkannten Friedenspflicht ■ entsprechen. Oskar Fischer gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung der BRD auf diese neuerliche Initiative konstruktiv antworten werde.
Prag (ADN), Vom Außenminister der CSSR, Bohuslav Chftoupek, wurde ebenfalls am Mittwoch ein gleichlautender Vorschlag an den Botschafter der BRD in der CSSR überreicht.
Nikaragua:
300 Contras außer Gefecht gesetzt
Managua (ADN). Die Sandinistlsche Volksarmee Nikaraguas hat vom 6. bis zum 20. Mai mehr als 300 konterrevolutionäre Banditen außer Gefecht gesetzt. Nach einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in Managua kam es in den zentralen, nördlichen und östlichen Regionen des Landes zu heftigen Gefechten mit von Honduras aus eingedrungenen Söldnerbanden. '
Eine weitere Gruppe der an der Grenze zu Kostarika operierenden Banden hat die Waffen niedergelegt und sich den kostarikanischen Behörden gestellt.
Neuer Raumschiff typ Soius TM gestartet
Unbemannt auf dem Weg zur Orbitalstation Mir
Von unserem Korrespondenten Frank Herold
Moskau. Ein neues unbemanntes Raumschiff vom Typ Sojus TM ist am Mittwoch, 10.22 Uhr MESZ, in der Sowjetunion gestartet worden, meldete TASS. Das Flugprogramm sieht vor, das Raumschiff im autonomen Flug sowie im Verbund mit der Orbitalstation Mir zu erproben. Der neue Flugkörper ist für den Transport von Besatzungen zu ständigen Stationen im All vorgesehen, informierte die Nachrichtenagentur.
Sojus TM entstand auf der Basis des Vorgängermodells Sojus T. Die Neuentwicklung besitzt modifizierte Systeme für die Annäherung und Kopplung, die Funkverbindung, für die Rettung von Kosmonauten bei Havarien, eine weiterentwickelte Antriebsanlage und ein neues Fallschirmsystem.
Das Raumschiff wurde auf eine anfängliche Umlaufbahn mit folgenden Parametern gebracht: maximale beziehungsweise minimale Erdentfernung 240 und 200 Kilometer, Umlaufzeit 88,6 Minuten, Neigungswinkel 51,6 Grad. Nach den telemetrischen Angaben arbeiten alle Bordsysteme normal.
Weiterer
Kernwaffentest
der USA in Nevada
Washington (ADN). Im Widerspruch zu den Forderungen in aller Welt haben die USA am Mittwoch auf dem Testgelände im Bundesstaat Nevada unter der Codebezeichnung „Panamlnt" einen weiteren Kernwaffentest durchgeführt Es war der vierte Versuch der USA in diesem Jahr und der elfte seit Beginn des einseitigen Moratoriums der UdSSR für alle nuklearen Tests am 6. August 1985. Der jüngste Kernwaffentest erfolgte nur kurz nach der Mitteilung der Sowjetunion, daß sie ihr einseitiges Moratorium bis zum 6. August dieses Jahres verlängern wird.
Christen bekunden einhellig Zustimmung zum Wahlaufruf
Arbeitsgruppe christliche Kreise beim Nationalrat tagte
Schwerin (ND-Korr.J. Die' Arbeitsgruppe christliche Kreise beim Nationalrat der Nationalen Front traf sich in der Vorbereitung der Wahl am 8. Juni zu einer erweiterten Tagung in Schwerin. Kirchliche Amtsträger, Theologen und weitere gesellschaftlich engagierte Christen bekundeten einmütig ihre Zustimmung zum Wahlaufruf des Nationalrates. Einhellig war ihre Zustimmung auch zu den Worten des Vorsitzenden der CDU, Gerald GÖtting, Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates, der feststellte, die freundschaftliche Gemeinsamkeit von Christen und NichtChristen gehöre zu den bemerkenswertesten Ergebnissen eines großen politischen, sozialen und geistigen Wandels der vergangenen Jahrzehnte auf dem Boden der DDR.
Zu den etwa 110 Teilnehmern im Schweriner Schloß gehörten Pfarrer, kirchliche Mitarbeiter und Mitglieder kirchlicher Räte, die selbst Abgeordnete sind oder als Kandidaten nominiert wurden. Gemeinsam mit ihnen begrüßte der Vorsitzende der Arbeitsgruppe, Günther Grewe, den Staatssekretär für Kirchenfragen, Klaus Gysi, den Vizepräsidenten des Nationalrates Werner Kirchhoff, den Leiter der Arbeitsgruppe Kirchenfragen beim ZK der SED, Rudi Bellmann, und weitere Persönlichkeiten des gesellschaftlichen Lebens. Alle Sprecher der Tagung werteten die jüngsten Friedensinitiativen der Sowjetunion als eine Chance, die um der Zukunft der Menschheit willen genutzt werden müsse. Die Zivilisation dürfe nicht im Feuer eines Atomkrieges untergehen. Ausführlich Seite 3
Südpazifik zur
kernwaffenfreien Zone deklariert
Acht Länder ratifizierten Vertrag
Sydney (ADN). Der Vertrag über die Schaffung einer kernwaffenfreien Zone im Südpazifik ist von acht Ländern — der für sein^Jnkrafttr«ten ausreichenden Zahl Unterzeichnerstaaten - ratifiziert worden. Dies teilte der australische Außenminister Bill Hayden während eines Besuchs in Nuku'alofa, der Hauptstadt von Tonga, mit. Das Dokument werde jetzt den Vereinten Nationen zur Begutachtung übergeben.
Der Vertrag war von den Teilnehmerstaaten der 16. Gipfelkonferenz des „Südpazifischen Forums" im August 1985 auf Rarotonga, der Hauptinsel der Cook-Inseln, vereinbart worden. Nach Angaben Haydens haben ihn bisher Australien, die Cook- Inseln, Neuseeland, Fidschi, Niue, .Papua-Neuguinea, Tuvalu und Westsamoa ratifiziert. Die Vertragspartner verpflichten sich in dem Dokument, auf Herstellung, Erwerb, Stationierung, Anwendung und Erprobung von Kernwaffen zu verzichten.
Die USA, die UdSSR, Großbritannien, Frankreich und China sind als ikernwaffenbesitzende Mächte aufgerufen, den Vertrag ebenfalls zu signieren.
Chile: Panier
und Hunde gegen Protestmarsch
19iähriger schwer verletzt
Santiago (ADN). Mindestens drei Menschen wurden verletzt, als Polizei und Militär in Santiago vor den Augen von Parlamentariern aus westeuropäischen und lateinamerikanischen Ländern eine Demonstration für Demokratie in Chile gewaltsam auflösten. Die Pinochet-Schergen setzten dabei Panzer und Hubschrauber, Schußwaffen, Tränengas, Wasserwerfer und Polizeihunde ein. Ein 19jähriger, der eine Schußverletzung am Kopf davontrug, befindet sich in einem kritischen Zustand.
In Arbeitervierteln Santiagos, deren Einwohner am Mittwoch neue Razzien befürchteten, wurden Barrikaden errichtet Die Patriotische Front Manuel Rodriguez hat sich zu einer Aktion bekannt, mit der am Dienstagabend in Santiago und anderen Städten als Zeichen des Protestes gegen Pinochet die Energieversorgung für mehr als eine Stunde unterbrochen wurde. sieh« auch Saite 4
Langfristige
Zusammenarbeit
DDR-CSSR
Horst Soll* bei Lubomir Strougal
Prag (ND). Der Vorsitzende der Regierung der CSSR, Lubomir Strougal, empfing am Mittwoch In Prag den Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR Horst Solle, der gegenwärtig zu einer Beratung der Vorsitzenden beider Sektionen des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses DDR-CSSR in Prag weilt, zu einer freundschaftlichen Unterredung. Die Gesprächspartner würdigten den hohen Stand der brüderlichen Beziehungen zwischen der DDR und der CSSR. Sie hoben die große Bedeutung des von Erich Honecker und Gustav Husäk im November 1985 unterzeichneten Programms der Entwicklung der wirtschaftlichen und wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit zwischen der DDR und der CSSR bis zum Jahre 2000 hervor, an dessen Umsetzung für den Zeitraum 1986 bis 1990 iinten&iv gearbeitet wird. Horst Solle informierte über die (Fortsetzung auf Seite 2)
PRENZLAU
Jugend meistert grofie Aufgaben
Die projektierte Leistung im neuen flexibel und teilautomatisierten Fertigungsabschnitt für Kugelhähne im Armaturenwerk
Prenzlau sobald wie möglich zu erreichen, ist vorrangiges -Ziel der Arbeiter in diesem Jugendobjekt. Sie widmen dieser Aufgabe gerade in der Wahlvorbereitung all ihre Tatkraft und ihren Ideenreichtum. Bei Gesprächen am Arbeitsplatz versicherten sie am Mittwoch Werner Felfe, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, und Johannes Chemnitzer, 1. Sekretär der Bezirksleitung Neubrandenburg der SED, keine Mühe zu scheuen, um die moderne Technik schnell zu beherr-
Bereichsleiter Wolfgang Schöning erläuterte Werner Felfe, der als Spitzenkandidat für die Volkskammer bei Werktätigen des Wahlkreises 58 weilte, die Technologie. Er betonte, daß die jungen Arbeiter das Wort des Wahlaufrufs aufnehmen, alles für den Weiteren dynamischen Leistungszuwachs zu tun.
„Ihr meistert immer besser modernste Technik. Wir wissen, daß für die Produktivität der Mensch das Entscheidende ist." Es komme darauf an, sagte der Spitzenkandidat unter Hinweis auf den Wahlaufruf, daß jeder einzelne an seinem Arbeitsplatz sein Bestes gibt, seinen Beitrag vollbringt für die Dynamik unseres Wirtschaftswachstums."
Weitere Berichte auf Seite 3
Beratender Ausschuß
einberufen
Berlin (ADN). Vereinbarungsgemäß findet in der ersten Juni-HSIfte 1986 in Budapest eine turnusmäßige Tagung des Politischen Beratenden Ausschusses der Teilnehmerstaaten des Warschauer Vertrage» statt.
Kandidaten der Nationalen Front in ihren Wahlkreisen:
Volksaussprache im Zeichen
unserer erfolgreichen Politik
Einmütige Unterstützung für den bewährten Kurs der Hauptaufgabe
Berlin
(ND/ADN).
Vielfältige
Veranstaltungen zur
Vorbereitung der Wahlen fanden auch am Mittwoch In StSdten und Dörfern der DDR statt. Im Mittelpunkt des Gedankenaustausches zwischen Kandidaten der Nationalen Front, darunter Spitzenkandidaten für die Volkskammer, stand der Wahlaufruf des Nationalrates und die Verwirklichung der darin enthaltenen Aufraben.
Erich Honecker empfing SPD-Politiker zu Gespräch
Gedankenaustausch mit Karl-Heinz Hiersemann / Effektive Schritte zur Friedenssicherung erörtert / Grüße von Willy Brandt erwidert
Unterredung mit den Gästen aus der BRD
Foto: ND/Fieeuth
Berlin (ADN). Am Mittwoch empfing der Generalsekretär des Zentralkomitees der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Erich Honecker, den stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im bayerischen Landtag, das Mitglied des SPD- Landesvorstandes und -Präsidiums -Karl-Heinz Hiersemann, im Amtssitz des Staatsrates zu einem Gedankenaustausch, der in einer offenen und sachlichen Atmosphäre verlief.
Karl-Heinz Hiersemann, Spitzenkandidat seiner Partei für die Landtagswahl 1986 in Bayern, übermittelte vom Vorsitzenden der SPID, Willy Brandt, herzliche Grüße, die von Erich Honecker ebenso erwidert wurden. ,
...Erich HoneÄer und Karl-Heinz Hiersemann stellten übereinstimmend fest, daß es angesichts der fortdauernden Spannungen in der Welt darauf ankomme, effektive Schritte der Rüstungsbegrenzung und Abrüstung zu erreichen, die Militarisierung des Weltraumes zu verhindern, die Kernwaffen abzuschaffen und die Konfrontation durch den Ausbau gegenseitig nutzbringender Zusammenarbeit zu überwinden. Es gehe um die frage, den Frieden im Kosmos und auf der Erde dauerhaft zu sichern. Heute sei ein neues Herangehen an die Lösung internationaler Probleme erforderlich.
Beide Seiten würdigten die sowjetischen Vorschläge zur Befreiung der Welt von allen Atomwaffen bis zum Jahr 2000 sowie für die Schaffung eines Systems der internationalen Sicherheit. Diese historische Chance, die durch die jüngste Initiative der UdSSR über eine bedeutende Reduzierung der konventionellen Waffen und Streitkräfte in Europa, vom Atlantik bis zum Ural, erweitert wurde, dürfe nicht verpaßt werden. Vor allem (gehe es darum, den Nukleartests und damit der Nuklearrüstung einen Riegel vorzuschieben. In dem Zusammenhang sagte Karl- Heinz Hiersemann, daß es darauf ankomme, diesen Vorschlägen seitens des Westens konstruktiv zu begegnen.
Erich Honecker stellte fest, daß es jetzt an der Zeit sei, den Worten entsprechende Taten folgen zu lassen. Die UdSSR habe dazu mehrfach ihre Ernsthaftigkeit und Entschlußkraft bewiesen. Die Menschheit würde aufatmen, wenn auch die USA entsprechenden Willen und die Bereitschaft zu friedlicher Lösung aller Konflikte an den Tag legen würden. Die DDR, betonte Erich
Honecker, setze sich mit ihrer auf dem XI. Parteitag der SED bekräftigten Politik des Friedens und des sachlichen Dialogs für das Zustandekommen einer
weltweiten Koalition der Vernunft und des Realismus ein. Die Regierung der BRD, die der destruktiven Politik der USA gegenüber praktikablen Maßnahmen der Abrüstung Unterstützung erweist, bleibe aufgefordert, im Interesse der Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa ihre Haltung zur Beteiligung am US-amerikanischen SDI-Programm zu überdenken. Die Bundesrepublik trage ein hohes Maß der Verantwortung dafür, daß die Chance von Genf nicht Verspielt, sondern genutzt wird, um die Welt von Atomwaffen zu befreien, die konventionelle Rüstung zu reduzieren und die Militarisierung des Weltraums zu verhindern, sagte Erich Honecker.
Karl-Heinz Hiersemann verwies auf die ablehnende Haltung der SPD zu SDI und einer Beteiligung bundesdeutscher Firmen an diesem Projekt. Die SPD vertrete statt dessen eine Politik, Frieden mit immer wenieer Waffen, zu schaffen und die Beziehungen der BRD zu den sozialistischen Ländern zu normalisieren. Der SPD- Politiker hob hervor, daß es Sicherheit im Zeitalter der nuklearen Zerstörbarkeit der Welt nur miteinander, nicht aber gegeneinander gäbe.
Die Gesprächspartner werteten den Dialog zwischen SED und SPD zu Fragen der Rüstungsbegrenzung und Abrüstung als einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit und Entspannung in Europa. Sie sehen in der gemeinsamen politischen Initiative von SED und SPD, eine von chemischen Waffen freie Zone in Europa zu schaffen, einen wichtigen Schritt zur Lösung dieses Problems. In diesem Sinne brachten sie ihre hohe
Wertschätzung für die jüngsten Gespräche zwischen beiden Parteien zur Schaffung eines von nuklearen Gefechtsfeldwaffen freien Korridors in Europa zum Ausdruck.
Beide Politiker bekräftigten ihre Auffassung, daß im Zentrum der Beziehungen zwischen1 beiden deutschen Staaten die Friedenssicherung steht. Deshalb sollten Vernunft und Realismus die Gestaltung des Verhältnisses zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland bestimmen. Beide deutsche Staaten müßten ihr ganzes Gewicht in die Waagschale werfen, um Europa zu einem Kontinent des Friedens, stabiler Sicherheit, dauerhafter Entspannung und vertrauensvoller Zusammenarbeit auszuprägen. Die Gesprächspartner betrachten dabei die Unverletzlichkeit der Grenzen und die Achtung der territorialen Integrität und Souveränität aller Staaten in Europa in ihren gegenwärtigen Grenzen als eine grundlegende Bedingung für den Frieden.
Im verlaufe des Gesprächs wurden Fragen der Wirtschaftsbeziehungen, des Umweltschutzes und des Reiseverkehrs erörtert.
An dem Gespräch nahmen teil: Hermann Axen, Mitglied des Politbüros und Sekretär des ZK der SED, das Mitglied des ZK der SED Staatssekretär Frank-Joachim Herrmann, Leiter der Kanzlei des Vorsitzenden des Staatsrates, und der Kandidat des ZK der SED, Gunter Rettner, Abteilungsleiter im ZK der SED.
In Begleitung von Karl-Heinz Hiersemann befanden sich: Hans Kolo, Umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Dr. Rolf Seebauer, Wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Hubert Weiger, Beauftragter des Bundes Naturschutz in Nordbayern, Fridolin Scheuble, Pressesprecher der bayerischen SPD, und Klaus Hamann, Persönlicher Referent von Karl-Heinz Hiersemann.
MAGDEBURG
Im Feierabendheim aufs Beste betreut
Im Magdeburger Stadtteil Neustädter See sind in den vergangenen zwei Wahlperioden neben Wohnungen für 35 000 Bürger auch fünf Feierabend-, und' Pflegeheime entstanden. Mit Veteranen des Heimes am Heideweg traf sich Werner Eberlein, Mitglied des Politbüros des ZK der SED und 1. Sekretär der Bezirksleitung Magdeburg. Der Spitzenkandidat für die Volkskammer überzeugte sich davon, daß die 190 Heimbewohner ausgezeichnet betreut werden. „Was hier für uns getan wird, ist hervorragend", bekräftigte der ehemalige Traktorenbauer Martin
Hausen, der sich mit seiner Frau in dem Feierabendheim geborgen fühlt.
Die 80jährige Elfriede Theune, seit sechs Jahrzehnten Mitglied der SED, berichtete, daß im Heim mit großem Interesse der Verlauf des XI. Parteitages verfolgt worden ist. Die dort gezogene Bilanz habe sie und die anderen Rentner, die den Kapitalismus noch aus eigener Erfahrung kennen und zum großen Teil den Arbeiter-und-Bauern- Staat tatkräftig mit aufgebaut haben, tief beeindruckt. Jedem werde deutlich, wie durch die , kluge Politik der Partei- und Staatsführung alles zum Wohl des Volkes getan wird.
„Es ist Grundprinzip des sozialistischen Staates, gleichermaßen für jung und alt zu sorgen", sagte Werner Eberlein. Er nannte eindrucksvolle Beispiele der vielfältigen Unterstützung und Betreuung für die 210 000 im Bezirk Magdeburg lebenden Rentner. So sind in der letzten Wahlperiode 1641 neue Plätze in Feierabend- und Pflegeheimen geschaffen worden, für jeden verausgabt der Staat jährlich rund 7460 Mark. Die Heimbewohner bezahlen monatlich zwischen 105 und 120 Mark.
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