Bitte beschreiben Sie kurz, welchen Fehler Sie im Artikel gefunden haben.
Bitte alle mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.
Bonn. Der Präsident der Volkskammer der DDR, Horst Sindermann, Mitglied des Politbüros des ZK der SED und Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, ist am Donnerstag in Bonn mit dem Vorsitzenden der SPD, Willy Brandt, zu einem freundschaftlichen Gespräch zusammengetroffen. Dabei übermittelte Horst Sindermann die herzlichen Grüße des Generalsekretärs des ZK der SED, Erich Honecker, die der sozialdemokratische Politiker ebenso herzlich erwiderte. :
Beide Politiker würdigten unter Hinweis auf die substantiellen Gespräche des SPD-Parteivorsitzenden mit Erich Honecker im September 1985 das gemeinsame konstruktive Vorgehen der SPD und der SED mit dem Ziel, konkrete Beiträge zur Friedenssicherung in Europa zu leisten. Die im Kommunique über dieses Spitzengespräch formulierten, gemeinsam zu gehenden Schritte für eine ausgewogene Sicherheitspolitik hätten mit der Tätigkeit der Arbeitsgruppen der SPD und SED zur Schaffung einer chemiewaffenfreien Zone in Europa sowie eines von atomaren Gefechtsfeldwaffen freien Korridors in Europa Substanz erhalten. Auch die Fortsetzung der Kontakte zwischen der Volkskammer der DDR und der SPD-Bundestagsfraktion entspreche voll und ganz der gemeinsamen Erklärung vom September W85, Sichtbares für die weitere Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten im Interesse einer europäischen Friedensordnune zu leisten. ,
In diesem Zusammenhang bekräftigten beide Politiker erneut die besondere Verantwortung der beiden deutschen Staaten für den Frieden und berieten über Perspektiven des Kampfes um einen sicheren Frieden in Europa.' Horst Sindermann und Willy Brandt würdigten das Treffen Gorbatschows mit Reagan in Genf und nannten , in diesem Zusammenhang die im vernünftigen politischen Dialog geborenen Initiativen der SED und der SPD einen verantwortungsbewußten und direkten Beitrag zu den weltweiten Bemühungen, eine Alternative zur Politik der Konfrontation zu finden.
Willy Brandt bezeichnete das von Michail Gorbatschow vorgeschlagene Abrüstungsprogramm als das bisher am weitesten reichende, „das mit politischer Vernunft und durch gemeinsame Anstrengungen aller realisierbar ist". Dabei betonte er, daß er damit auch das SDI-Programm der USA für überflüssig halte.
„Wenn ein Krieg heute nicht mehr führbar ist — eine wichtige Schlußfolgerung des Genfer Treffens zwischen Michail Gorbatschow und Ronald Reagan —, dann haben.auch die Kernwaffen ihre Existenzberechtigung verloren, und man muß sie einfach vernichten", sagte Horst Sindermann. Diese logische Konsequenz habe aber bis jetzt nur die UdSSR mit ihrem 3-Stufen-Programm der Abrüstung gezogen. Die Welt warte dringend auf ein ähnliches Signal aus den USA in der Hoffnung, daß an der Schwelle zum Jahr 2000 Massenvernichtungswaffen der Vergangenheit angehören und der ewige Frieden Realität sein wird.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs verständigten sich Horst Sindermann und4 Willy Brandt über Möglichkeiten des Ausbaus der Zusammenarbeit zwischen der Volkskammer und der SPD- Bundestagsfraktion auf wirtschaftlichem, wissenschaftlichtechnischem und anderen Gebieten, die durch die neuen Entwicklungen in der Welt, auf die Tagesordnung gesetzt sind.
Die Zusammenkunft zwischen Horst Sindermann und Willy Brandt, an der auch Prof. Dr. Horst Ehmke, stellvertretender Vorsitzender der ■ SPD-Bundestagsfraktion, sowie der Leiter der Ständigen Vertretung der DDR in der BRD, Botschafter Ewald Moldt, teilnahmen, fand Im Erich-Ollenhauer-Haus, dem Sitz des SPD-Parteivorstandes, statt. Beim Gang durch das Gebäude machte der SPD-Vorsitzende seinen Gast auf eine Galerie von Plakaten aufmerksam, die sozialdemokratische Agitation gegen Krieg und aufkommenden Faschismus zwischen 1911 und 1930 darstellen, darunter eine Anklage des sozialdemokratischen Aktionsausschusses gegen Militärlasten und Ausbeutung des Volkes vor dem ersten. Weltkrieg. „Eine bewegte Zeit", stimmte Horst Sindermann dem Hinweis Willy Brandts zu, daß vor den beiden Weltkriegen die Arbeitermassen, zum Kampf gefordert waren. •■
Nach dem fast eineinhalbstündigen Gespräch erklärte Willy Brandt vor Journalisten, den Besuch des Volkskammerpräsidenten „halten wir für sehr wichtig". Auch das erste Echo der Menschen in der Bundesrepublik zeige, daß der Besuch allgemein für bedeutend gehalten wird.
Login
