Moskau (ADN). Das amerikanische „Sternenkriejs"-Programm „verstärkt die Gefahr eines Krieges, und in einer bestimmten Etappe kann er zur Wahrscheinlichkeit werden", erklärte der Generalsekretär des ZK der KPdSU, Michail Gorbatschow, auf Froren der Zeitung „l'Humanite".
Michail Gorbatschow machte auf einen Aspekt dieses Problems aufmerksam. Obwohl die Verwirklichung der ganzen „Sternenkriegs"-Idee erst nach Jahrzehnten erfolgen soll, wird sie - Wenn die USA weiter darauf beharren — bereits in naher Zukunft "sehr ernste Folgen haben. Es handelt sich darum, daß Washington mit der Verwirklichung des . .Sternenkriegs'-Programms im Grunde bewußt darauf hinsteuert, die laufenden Verhandlungen zu sprengen und alle bestehenden Abkommen über Rüstungsbegrenzung zunichte zu machen. In diesem Falle würden sich die UdSSR und die USA, ihre Verbündeten und die ganze Welt bereits in den nächsten Jahren in einer Situation absolut unkontrollierten Wettrüstens, des strategischen Chaos, der überaus- gefährlichen Untergrabung der Stabilität, allgemeiner Unsicherheit und Angst und des mit all dem verbundenen Wachsens des Risikos einer Katastrophe befinden. Ich wiederhole: Diese Gefahr droht nicht unseren Urenkeln, sondern uns selbst, uns allen, der ganzen Menschheit."
„Die Kernwaffen können entgegen den Behauptungen der Verfechter der .Sternenkriege' einfach nicht .veralten', sie werden im Gegenteil immer vollkommener", unterstrich der Generalsekretär. „Und es kann soweit kommen, daß sie so kompliziert werden, daß die Entscheidungen völlig Rechnern und Robotern übertragen werden müssen. Und damit macht man die menschliche Zivilisation zu einer Geisel von Maschinen und folglich auch von technischen Ausfällen und Störungen. Wie gefährlich das ist, hat unlängst die Tragödie mit dem amerikanischen Raumschiff .Challenger' erneut gezeigt, was als zuverlässig, vielfach erprobt und überprüft galt, und zwar im Rahmen der heute überhaupt gegebenen Möglichkeiten."
Zur Beurteilung der sowjetischen Sicherheitskonzeption sagte Michail Gorbatschow: „Das ist die Konzeption der Gewährleistung der gleichen Sicherheit für alle auf dem Wege der Reduzierung von Rüstungen und der Abrüstung, bis zur vollständigen Liquidierung aller Arten von Massenvernichtungswaffen. Denn in unserer Zeit kann es keine Sicherheit der UdSSR ohne Sicherheit der USA, keine Sicherheit der Länder des Warschauer Vertrages ohne Sicherheit, der NATO-Länder geben. Und ohne ihre gegenseitige Sicherheit kann es auch keine allgemeine, Sicherheit geben."
Auf die Zeichen für die Rückkehr zur Entspannung in den internationalen Beziehungen
nach dem Genfer Treffen eingehend, sagte Michail Gorbatschow, „hier muß man nach meiner Meinung bei den Einschätzungen vorsichtig sein. Ja, gewisse Anzeichen beginnen sichtbar zu werden. Es geht nicht nur und gar nicht einmal so sehr um einzelne Bewegungen auf dem Gebiet der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen: Sie sind zu begrenzt, zu peripher und berühren keine Grundfragen. Dafür ist bereits eine gewisse Veränderung der politischen Atmosphäre zu spüren. Das weckte bei den Völkern vieler Länder die Hoffnung und den Glauben an die Möglichkeit, zur Entspannung zurückzukehren, das sinnlose Wettrüsten zu stoppen und eine normale friedliche internationale Zusammenarbeit zu entwickeln. Dies ist schon etwas Reales, politisch Bedeutsames."
Auf die Fragte, ob Grund zu der Annahme bestehe, daß der Krieg in Afghanistan in naher Zukunft beendet wird und folglich die sowjetischen Truppen aus diesem Land abgezogen werden, erklärte Gorbatsehow-t—jjWir würden das sehr wünschen' und werden das, soweit es in unseren Kräften liegt, auch anstreben. Wie wir wissen, vertritt die Regierung Afghanistans die gleiche Position. Sie ist bereit, bei der Regelung der komplizierten Probleme der inneren Entwicklung des Landes weit zu gehen, und läßt die verschiedenen politischen Kräfte sowohl im Zentrum als auch in den Provinzen, einschließlich der Vertreter der Stämme, der Geistlichkeit, der Intelligenz und der Ge-: schäftskreise, aktiv am Aufbau des Lebens teilnehmen."
„Gleichzeitig hängt dabei nicht alles von der Regierung Afghanistans ab", führte der Generalsekretär weiter aus. „Es" gibt in diesem Konflikt, der ja durch Einmischung von außen entstanden ist, äußere Kräfte, die an seiner Fortsetzung und Ausweitung interessiert sind, nämlich Pakistan und die USA. Auch Westeuropa kann den Verlauf der Ereignisse beeinflussen. Wenn man dort die Situation in und um Afghanistan sachlich einschätzen und natürlich auch seine eigenen Interessen, die Interessen der ganzen Welt abwägen würde, ließen sich meiner Ansicht nach Wege finden, um zur Lösung des Problems beizutragen."
Zur Frage, ob die sowjetischfranzöisfechen Beziehungen verbessert werden können, betonte Michail Gorbatschow: „Die Sowjetunion ist für eine umfassende Zusammenarbeit mit Frankreich, für Freundschaft zwischen dem sowjetischen und dem französischen Volk. Die Unterschiede zwischen der UdSSR und Frankreich sind keineswegs Hindernisse für deren Einvernehmen und Zusammenarbeit Das ist unsere feste, ständige und prinzipielle Position. Die Verbesserung des gegenseitigen Verständnisses und die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der UdSSR und Frankreich betrachten wir als wichtig für die grundlegenden Interessen unserer Länder — für die Festigung des Friedens in Europa und in der ganzen Welt, für die Gesundung der internationalen Lage."
Wortlaut auf den Saiten 3 und 4
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